Der Talweg am nordöstlichen Ende von Oberweißbach umfasst heute die Hausnummern 1 bis 25. Bis 1892 bildeten dieser Teil Oberweißbachs sowie die ersten beiden Häuser der heutigen Rudolstädter Straße die selbständige Gemeinde Mittelweißbach.
Erstmals erwähnt
wird Mittelweißbach nach unbestätigten Überlieferungen entweder 1503 oder 1533.
Die früheste bislang nachweisbare Erwähnung erfolgt am 27. Oktober 1537 in
einem Zinsregister (Quelle: Kahl, Thür. StA Rudolstadt, AC 605).
(alt: 1)
1956: Oberthür,
Carl, Schnepfenmühle (zu Oberweißbach) siehe auch Rudolstädter Straße 67.
1 (alt: 2)
„Flore“ (Wer war
eigentlich die Florine?)
1921: Ludwig, Anna,
Tagelöhnerin (bis 1949).
1923: Eichhorn, Fritz, Glasbläser (bis 1949).
1931: Bätz, Rudolf, Schieferbrucharbeiter.
1933: Ludwig, Fritz, Glasbläser.
1949: Eichhorn, Helmuth, Glasbläser.
2 (alt: 3)
„Ruppel“
1911: Walther, Otto,
Kistenmacher, Glasbläser (bis 1949).
1921: Ehrhardt, Arno, Maurer (bis 1941).
1933: Walther, Herta, Glasarbeiterin (später: Wirtin „Zum Fröbelturm“); Witzmann,
Hugo, Handelsmann.
1949: Schünzel, Kurt, Dekorationsmaler.
3 (alt: 4)
„Topfhampens“
(?)
Das
Gespensterhaus! So jedenfalls nennt es meine Enkelin Mia. Das Haus scheint
schon seit langem unbewohnt und ist im Sommer hinter wildem Grün kaum noch zu
entdecken.
Den Unterlagen
zufolge brannte dieses Haus kurz hintereinander zweimal ab, nämlich am
16.01.1913 und am 01.04.1914.
1913: Schmidt,
Rosalinde (bis 1933).
1921: Götze, Otto, Holzmacher.
1931: Schmidt, Ernst, Fleischer (bis 1933).
Gab es hier
einst eine Fleischerei? Oder hat der Fleischer nur hier gewohnt?
4 (alt: 5)
„Semmels Kurt“
(ehem. Bäckerei)
1921: Ludwig, Louis,
Zeugarbeiter, Bautischler (bis 1933).
1931: Ludwig, Arno, Glasbläser.
1933: Ludwig, Gertrud, Glasarbeiterin.
1936: Koch, Kurt, Glasbläser (bis 1949).
? (alt: ?)
(?): Anders, Arthur,
Fabrikarbeiter (bis 1921); Anders, Helene, (bis 1941); Anacker, Dr. med. Otto,
Arzt.
1933: Anders, Alfred, Glasbläser (bis 1949); Anders, Willy, Bäcker.
5 (alt: ?) – Leerstand
(?): Köhler, Oskar,
Holzarbeiter (bis 1949); Anders, Lina.
1925: Köhler, Hugo, Glasbläser (bis 1956); Köhler, Frieda.
6 (alt: ?)
DDR-Zeit: Ladenthin
7 (alt: ?)
„Wurscht“ (ehem.
Fleischerei)
(?): Schmidt,
Ernst, Hausschlächter (bis 1949); Schmidt, Ida.
1936: Schmidt, Rosalinde, Witwe (siehe alt 3 – bis 1941).
1949: Walter, Erich, Glasbläser.
1975: Schmidt, Günther.
8 (alt: 6a)
1921: Eilhauer,
Albin, Schieferdecker (bis 1941).
1931: Eilhauer, Selmar, Thermometermacher.
1933: Eilhauer, Ernst, Bauhilfsarbeiter; Eilhauer, Helene,
Glasarbeiterin, Eilhauer, Hugo, Hausarbeiter (bis 1941); Eilhauer, Robert,
Glasbläser (bis 1949).
1949: Eilhauer, Frieda, Hausfrau.
1975: Dittrich.
9 (alt: 7) – abgerissen
„bei Meisters“.
(?): Malter,
Wilhelm, Thermometermacher (bis 1949); Malter, Anna.
1921: Malter, Karl, Glasbläser.
1949: Matz, Rudolf, Holzhauer.
? (alt: 9c)
1933: Wilhelm,
Arthur, Kaufmann.
10 (alt: 8)
1920: Jahn, Richard,
Schieferdecker (bis 1921).
1920: Dachstuhlbrand am 29.11.1920.
1931: Witzmann, Hugo, Barbier.
1933: Jahn, Else, Glasarbeiterin; Jahn, Albert, Schieferdecker (bis
1941); Jahn, Albin, Glasbläser (bis 1949).
Barbier Hugo
Witzmann: Ein Barbier war ursprünglich nur für Männer zuständig (Bartrasur). Er
arbeitete manchmal in Badehäusern, was die Frage aufwirft: Gab es ein solches –
wie in Oberweißbach – sogar in Mittelweißbach? Im 20. Jahrhundert war der Beruf
allerdings ein Auslaufmodell – es wird sich bei Herrn Witzmann wahrscheinlich
um einen Friseur gehandelt haben, der lediglich noch die alte Berufsbezeichnung
trug.
11 (alt: 9)
(?): Großmann, Paul,
Thermometermacher (bis 1949) & geb. Franke, Helene.
1921: Franke, Ernst, Waldhüter.
1933: Großmann, Erika, Glasarbeiterin (bis 1936).
12 (alt: 10)
heute 11 (?)
Auf diesem Grundstück befindet sich ein Stein, dessen Bedeutung bisher leider nicht geklärt werden konnte. Er zeigt die Initialen „J.H.A“ (A. evtl. für Anders), einen Mörser, wie ihn vormals die Laboranten und Olitätenhändler verwendet haben, sowie die Jahreszahl 1810 (Stammbaum Anders teilweise vorhanden).
Talweg 11 – Wer erkennt jemanden?
Talweg 12 –
Dreschen bei Hennigs
(?): Hennig, Albert,
Porzellanmaler, später Forstaufseher (bis 1949); Hennig, Martha, geb. Anders.
1921: Kemter, Hugo, Tischler (bis 1931); Meusel, Edmund, Fabrikarbeiter.
1933: Hennig, Arno, Bäcker; Hennig, Frieda, Glasarbeiterin; Hennig,
Rudolf, Arbeiter, Glasbläser (bis 1949).
1949: Enders, Frieda, Hausfrau.
13 (Alt 11)
(?): Eilhauer,
Rudolf, Handarbeiter (bis 1949); Eilhauer, Helma.
1921: Schneider, Ida, Tagelöhnerin (bis 1949).
1931: Schneider, Karl, Glasbläser (bis 1941); Schneider, Anna.
1933: Eilhauer, Albert, Glasbläser; Eilhauer, Ella, Glasarbeiterin;
Eilhauer, Esla, Glasarbeiterin;
Ludwig, Reinhold, Invalide.
1934: Schünzel (Schinzel?), Joh. Max; Schinzel, Hedwig.
1936: Schinzel, Hedwig, Witwe.
1949: Eilhauer, Karl Heinz, Schuhmacher.
14 (alt: 13)
1921: Leopold,
Heinrich, Formgießer; Fichtmüller, Albert & verw. Littke, geb. Winzer, Anna
(als Fichtmüller, Anna bis 1949) – „Winzers Anna“.
1949: Fichtmüller, Rudi, Glasbläser.
Erzählungen
zufolge gab es in Mittelweißbach, wahrscheinlich noch bis zum beginnenden 20.
Jahrhundert, eine Kegelbahn.
Sie soll sich auf der Nordseite (Amtmannsberg) befunden haben. Die Kugel war
wohl nicht exakt rund, was dem Spaß offenbar keinen Abbruch tat, den Kinder
noch lange nach dem Ende der Kegelbahn mit Kugel und Kegeln auf dem Talweg
hatten.
Wer weiß, wo
sich die Kegelbahn befand?
15 (alt: 14)
(?): Bosch, Alfred,
Werkmeister bei Fritze in Lichtenhain, Schneidemüller (bis 1949); Bosch, Anna.
1915: (unsicher): Jahn, Albin; Jahn, Berta.
1949: Bornkessel, Kurt, Glasbläser.
War Kurt
Bornkessel der spätere Fleischer? An ihn werden sich manche Oberweißbacher
gerne erinnern. Seine Fleischerei gab es noch in den 1960er Jahren im KONSUM in
der Rudolstädter Straße – und für die Kinder gab es immer eine Scheibe frische
Wurst.
16 (alt: 14a)
(?): Jahn, Eduard,
Glasbläser; Jahn, Anna.
1921: Bauer, Otto, Perlenmacher (bis 1931).
1931: Jahn, Anna, Witwe (bis 1941); Ludwig, Max, Fabrikant; Gräf,
Walther, Erdarbeiter (bis 1941).
1949: Jahn, Paul, Glasbläser; Eilhauer, Amalie, Witwe.
1956: Jahn, Ingla, Glühlampen („Talwille“).
17 (alt: 15)
(?): Ott, Paul,
Schneidermeister, Schneidemüller (?) – (bis 1949); Ott, Anna.
1921: Biehl, Gustav, Schieferbrecher (bis 1933).
1937: Siegmund, Arno Fritz Walther, Fleischer aus Deesbach & geb.
Biehl, Helene Berta Emma (bis 1949).
1941: Siegmund, Walther, Fleischer.
DDR-Zeit: Gräf, Otto, Taxi (grüner Wolga).
Irgendwo hier
muss sich die einzige Schankwirtschaft und vielleicht auch das Brauhaus
Mittelweißbachs befunden haben. Weiß vielleicht jemand, wo?
18 (alt: 16)
Jahreszahl 1830
+ Initialen „C.H.L“ (in Theuerdank-Fraktur) am Haus. Wer war C.H.L.?
(?): Biehl, Alfred,
Schieferbrecher, Holzarbeiter (bis 1949); Biehl, Martha; Walther, Lina.
1921: Walther, Hildebert, Landwirt (bis 1936).
Umzug Siegmund
und geb. Biehl von Nr. 18 nach Nr. 17.
19 (alt: 17)
1921: Witter,
Heinrich, Tüncher.
1933: Eilhauer, Selmar, Thermometerfabrikation, Schwiegervater von
„Alma“ (bis 1949).
20 (alt: 18) – steht weiter
hinten
1921: Hofmann, Lina,
Perlenmacherin (bis 1949).
1933: Hofmann, Gertrud, Zubinderin.
1949: Hofmann, Martha, Hausfrau.
21 (Alt: 19)
1921: Großmann,
Wilhelm, Handelsmann (bis 1936).
1933: Anders, Wilhelm, Glasbläser; Großmann, Elise, Glasarbeiterin.
1941: Hampe, Karl, Holzarbeiter.
1949: Eilhauer, Selmar, Thermometermacher.
22 (alt: 19a)
(?): Himmelreich,
Alfred, Maurer, Geschirrführer (bis 1949); Himmelreich, Frieda.
1921: Gitter, Wilhelm, Glasbläser (bis 1931).
1927: Schneider, Otto, Fabrikarbeiter, Holzarbeiter (bis 1949);
Schneider, Martha.
23 (alt: 20)
1921: Schneider,
Alfred, Schieferbrucharbeiter, Landwirt (bis 1949); Walther, Alfred, Maurer.
1935: Schneider, Hugo, Glasbläser (bis 1949), Schneider, Ella.
1949: Schmidhofer, Martha, Hausfrau.
24 (alt: 21)
„Hexenhaus“
(Ferienhaus)
1921: Zuleg, Jakob,
Bahnarbeiter.
1931: Henneberg, Hugo, Schneidemüller (bis 1949); Henneberg, Gertrud.
25 (alt: 22)
„bei
Frischmuths“
(?): Witter, Max
Alfred, Glasmacher; Witter, Rosa, geb. Müller, aus Ernstthal, Kolonialwarenhandlung.
1915: folgend Kind: Rosa Minna Anna, verehelichte Frischmuth.
1921: Witter, Alfred, Glasmacher, 1931 Modewaren, 1933 Schnitt- und
Kolonialwaren (bis 1949).
1934: Frischmuth, Paul, Bäckerei (bis 1949); Frischmuth, Anna, geb.
Witter.
später: Bäckerei Dreier.
1975: KONSUM Lebensmittel („Alma“).
Den Bäcker
Frischmuth erwähnt Erna Vogler in ihrer Geschichte „Vier kleine Menschenbrüder“
1949 im „Kinderjahrbuch“ eines Verlages in Goslar. Die Geschichte selbst spielt
auf dem „Hügel“ und dreht sich um das Schicksal einer Umsiedler-Familie.
Alma hatte ihr
Ladengeschäft zunächst auf dem „Hügel“. Da gab es, soweit ich mich erinnere, so
ziemlich alles.
Das spätere
„Spee“ hieß damals noch „Persil“ und wurde mittels Emaille-Tafel beworben.
Später – im Talweg – war Alma ein Geheimtipp für minderjährige Raucher. Sie sah
das nicht so verbissen mit der Altersgrenze. Außerdem gab es bei ihr die
billigen „KARO“ (1,60 Mark, ohne Filter).
Der Verkaufsraum
war – so meine ich mich zu erinnern – etwas abenteuerlich: Mittendrin war ein
Absatz und man musste aufpassen, dass man der Alma nicht in die Arme fiel.
? (alt: 22f)
1933: Ehrhardt,
Paul, Inhaber der Fa. C. G. Ehrhardt Sohn, Manufakturwaren. Das Geschäft befand
sich in der Sonneberger Straße 141.
? (alt: 23)
1921: Franke, Otto,
Glaser.
Zwieren an der Kapps – Fabrik

Kapps-Fabrik
kurz vor dem Abriss
26 – abgerissen
„Kapps-Fabrik“.
1936: Jahn &
Co., Alfred, Glaswarenfabrik (bis 1956).
DDR-Zeit: VEB Glasverarbeitung Neuhaus (Gebäude gegenüber Talweg 25).
Erzählungen
zufolge gab es an der Kapps-Fabrik zwei Traditionen:
1. Das Zwieren
(Spiel) vor dem Haus und 2. das Pampelleich (das Wort gibt es weder im
Duden noch bei Jacob Grimm). Das Pampelleich war eine an einem langen Seil
aufgehängte Kugel, die z. B. an einem stabilen Ast „pampelte“ und mit der
hölzerne Kegel getroffen werden mussten (ähnlich wie beim Kegeln – nur, dass
die Kugel beim Pampelleich zurückkam – und das konnte durchaus schmerzhaft
sein).
27 (Alt: 14b) – einziges Haus
talwärts rechts
„Zumpfs“
(?): Ludwig, Max,
Fabrikant; Ludwig, Martha.
1931: Ludwig, Walther, Glasbläser, Fabrikant (bis 1941); Ludwig, Martha
(?) geb. Liebmann.
1933: Gebr. Ludwig, Glaswarenfabrikation; Ludwig, Max, Fabrikant (bis
1941); Ludwig, Walter, Fabrikant (bis 1941).
1949: Eilhauer, Ernst, Glasbläser; Ludwig, Alfred, Glasbläser.
1962: Brand am 28.01.1962 – weiteres unbekannt.
1975: Ungelenk.
Nebenan
talabwärts standen Weidenbäume der Korbmacherei Anders.
***









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