7. 1744 – Objekt C/1743 X 1 über Oberweißbach

Begleitet von starken Erderschütterungen erscheint im Schaltjahr 1744 eine hell leuchtende Feuerkugel am Himmel und bleibt für mehrere Wochen selbst am hellen Tage gut sichtbar. Die Frage, worum es sich dabei gehandelt haben könnte, führt uns zu einem damals aufsehenerregenden astronomischen Ereignis, das 1744 tatsächlich mit bloßem Auge am Himmel zu sehen ist.

Der Klinkenberg-Komet, Codename: C/1743 X 1 rast mit 89,4 Kilometern pro Sekunde auf einer noch unbekannten Bahn durchs All. Benannt nach einem seiner Entdecker Dirk Klinkenberg wird der Himmelskörper am 9. Dezember 1743 über Haarlem (Holland) zum ersten Mal gesichtet.

Erst etwa 150 Jahre später tauchen Dokumente auf, die beweisen, dass der Niederländer Jan de Munk den Kometen bereits am 29. November 1743 gesehen hat.

Im Februar 1744 ist C/1743 X 1 heller als jeder andere Stern am Himmel und kann am 27. Februar sogar bei Tag nur knapp neben der Sonne mit bloßem Auge gesehen werden – auch von Oberweißbach aus! Der Komet hat zunächst zwei, später sogar elf oder zwölf Schweife. Zeitweise sind nur seine Schweife sichtbar, während der Kopf des Kometen unterhalb des Horizonts bleibt. Die Menschen vergleichen die Erscheinung mit einem Besen, weshalb Kometen mitunter auch als Besen- oder Schweifsterne bezeichnet werden. Uns würde die Erscheinung wahrscheinlich an eine gewaltige Lasershow hinter den Bergen erinnern, von der man nur die Lichtstrahlen sieht, die in den Himmel reichen.

Nach Kiesewetter ist die „Feuerkugel“ erst am 14. Juni zu sehen. Hier liegt offenbar ein Lese- oder Übertragungsfehler vor. Das Ereignis ist zweifelsfrei dem Jahresanfang 1744 zuzuordnen.



Kupferstich aus:

Kindermann, EberhardChristian, Wahre Betrachtungen über den in diesem Jahre erschienenen Cometen so wohl nach dessen Ursprung und Beschaffenheit ingleichen wohin sein Lauff gerichtet, und wie lange er sichtbar sey, als auch vornehmlich nach seiner Bedeutung, und ob wir Ursach haben, uns vor ihm zu fürchten? Wobey dieses Cometen eigentliche Gestalt recht physicalisch in einem Kupffer vor Augen geleget, Rudolstadt, 1744

 Kindermann gilt als erster deutscher Science-Fiction-Autor.

Der Klinkenberg-Komet war Berechnungen zufolge ab Mitte März nur noch von der Südhalbkugel aus sichtbar.

Aus China liegen Berichte vor, wonach während der Erscheinung von C/1743 X 1 seltsame Geräusche zu hören sind, wie sie mitunter als Begleiterscheinung von Polarlichtern auftreten. Das passt zu den Berichten der Chronisten Kiesewetter und Elsässer.

In Rudolstadt fasst ein Herr Eberhard Christian Kindermann seine Beobachtungen und Vermutungen in einem Buch zusammen, desgleichen ein „Vorsichtiger Himmelsbeschauer“, dessen Büchlein ebenfalls 1744 bei Johann Friedrich Fleischer in Frankfurt a. M. und Leipzig erscheint.

Der Oberweißbacher Lehrer Josef Trägner meint, bei dem Ereignis könne es sich um einen Kugelblitz gehandelt haben. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass derartige Erscheinungen meist in Bodennähe auftreten und sich rege bewegen.

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