5. Das 18. Jahrhundert - Teil 1

1705 – Am 27. Mai liegt Schnee und es herrscht starker Frost.

1709 – Jahrtausend-Winter (Damals waren derartige Superlative noch keine maßlose Übertreibung): Der Winter 1708/1709 geht als Jahrtausendwinter in die Geschichte ein. Missernten, Teuerung und Hungersnöte sind die Folge. Selbst in Trier ist die Nacht zum 7. Juli die letzte Frostnacht des vorangegangenen Winters.

Ursache des extremen Klimas ist wahrscheinlich das unglückliche Zusammentreffen zweier Umstände, nämlich zum einen die seit etwa 1675 anhaltende mittlere Periode der „Kleinen Eiszeit“ und eine Phase auffällig geringer Sonnenfleckenaktivität.

1720 – Elsässer berichtet: Die seit ungefähr 1700 in Oberweißbach bestehende Oberförsterei wird aufgehoben. Sie stand auf dem sogenannten „Forstacker“ (heute Hotel „Burghof“). Stattdessen wird in Cursdorf ein Wildmeister namens Henne angestellt. Mit der Oberförsterei war ein Gestüt verbunden. Die Weide für die Stuten und Fohlen war auf den Fischbachwiesen.

1722 – Die Knaben- und Mädchenschule sowie die Organistenwohnung brennen nieder und werden 1723 wiederaufgebaut. Die Hälfte der Kosten trägt die Kirche. Die Mädchenschule befindet sich zu dieser Zeit etwa an Stelle des heutigen Amtshauses.

1723 – Das Bannrecht für die (Königseer) Stadthandwerker wird erneuert. Damit wird ihnen eine Art Monopol gesichert. In den zum Amt Königsee gehörigen Dörfern, so auch in Oberweißbach, dürfen fortan kein Schuster, Schneider oder andere Handwerker ansässig sein. Ausgenommen sind nur solche, die auf dem Lande unbedingt benötigt werden, wie z. B. Schmiede, Wagner, Zimmerleute, Böttcher und Drechsler.

1726 – Bis zum Jahre 1730 herrscht in ganz Thüringen eine Raupenplage. Sämtliche Obstbäume werden vernichtet.

1729 – Als erster Diakon zu Oberweißbach wird Ludwig Friedrich Winzer erwähnt.

1730 – Um 1730 (nach Dr. Hans Eberhardt bereits um 1720)10) werden im Thüringer Wald die Kartoffeln eingeführt, aber, wie Elsässer bemerkt, noch lange mit Misstrauen betrachtet. Noch größeres Misstrauen haben aber wohl die Preußen, denn erst in Folge der sogenannten „Kartoffelbefehle“ werden dort ab 1756 Kartoffeln als Nahrungsmittel angebaut. Einem sich hartnäckig haltenden Gerücht zufolge trickst Friedrich II. seine Bauern dabei geschickt aus, indem er einen Kartoffelacker vom Militär „streng“ bewachen lässt. Die Bauern, angelockt durch die vermeintlich wertvollen Pflanzen, stehlen die edlen Knollen und bauen sie nun sogar freiwillig an.

 

Ursprünglich stammt die Kartoffel aus den chilenischen und peruanischen Anden. Wie sie nach Europa kam, ist nicht abschließend geklärt. Die Legende, die Erdäpfel seien von Sir Francis Drake mitgebracht worden, stimmt jedoch nachweislich nicht.

In Deutschland soll die Kartoffel erstmals 1647 angebaut worden sein – und zwar gar nicht weit weg von unserer Heimat in Pilgramsreuth in Oberfranken (heute zu Rehau gehörig).

1731 – Wieder herrscht ein sehr harter und langer Winter. In Neuhaus kann man zu Pfingsten noch Schlitten fahren.

1732 – Für Oberweißbach werden in diesem Jahr 5 Laboranten und 76 Olitätenträger erwähnt.

1733 – Am St. Vitus Tage (15. Juni) brennen in Cursdorf nach der Explosion einer Destillierblase 65 Wohnhäuser ab. Dabei laufen große Mengen brennendes Harz und Pech das Dorf hinab. Mehrere Menschen kommen ums Leben.

1734 – Das zum Pfarrhaus (heute Fröbelmuseum) gehörige Backhaus wird von der Gemeinde angekauft und zum Gemeindekeller umgebaut. Das Backhaus stand demnach etwa dort, wo sich heute die AWO-Senioren-Wohngemeinschaft befindet. Es gab aber zwischen diesem Gebäude und dem Fröbelhaus damals noch ein Gebäude.

1735 – Schloss Heidecksburg brennt zur Hälfte nieder.

1737 – Am 14. März brennen 3 Häuser in Oberweißbach ab, darunter die Mädchenschule und des Bäckers Wilhelms Haus.

Am 14. Mai wird der Grundstein zum Neubau des Rudolstädter Schlosses gelegt.

Außerdem tritt im Jahre 1737 Pfarrer Friedel sein Amt in Oberweißbach an (siehe dazu unter 1740). Er stirbt, nachdem er u. a. in Oberweißbach 24 Jahre als Pfarrer tätig war, am 4. Mai 1776 in Königsee.

1740 – Im Januar herrschen 33° Kälte. Der Winter dauert bis Ende April. Wegen Futtermangels fallen die Preise für Stalltiere. In manchen Orten wird das zum Dachdecken benutzte Stroh verfüttert.

An dieser Stelle gibt Elsässer erstmals eine konkrete Temperatur wieder. Dabei stellt sich dem aufmerksamen Leser die Frage, was der Chronist damit eigentlich meint. Infrage kommen ab 1742 nämlich zwei unterschiedliche Skalen – die uns geläufige Celsius-Skala mit einem Gefrierpunkt für Wasser bei 0°C und einem Siedepunkt bei 100°C (Zwischen 1742 und 1744 war es umgekehrt: der Siedepunkt lag bei 0°C) oder die Réaumur-Skala mit einem Schmelzpunkt von Wassereis bei 0°R, aber einem Siedepunkt von Wasser bei 80°R.

Am 13. August 1740 wird die Schule in Cursdorf eingerichtet.

1743 – Am 18. Juni bricht in Deesbach bei Friedrich Sorge Feuer aus. Drei Häuser brennen ab.

1744 – „den 14. Juni“ erscheint eine „große Feuerkugel“ am Himmel. Während dieser Erscheinung wird eine starke Erderschütterung verspürt.

Wahrscheinlich liegt auch hier wieder ein Übertragungsfehler vor (das Datum kann nicht stimmen), denn tatsächlich gibt es im Jahre 1744 eine spektakuläre Himmelserscheinung, die die Menschen über Wochen in Staunen, aber auch in Angst versetzt – ein Komet! Er ist jedoch nicht im Juni, sondern im Frühjahr sichtbar > siehe Post „Objekt C/1743 X1“

1748 – Anfang März liegt noch immer viel Schnee; es herrscht eisige Kälte. Viel Wild und Vögel gehen zugrunde.

Im gleichen Jahr gewinnt Oberweißbach einen Prozess gegen die Stadt Königsee und darf fortan selbst Bier brauen. Unverzüglich wird im unteren Ort eine Malzdarre eingerichtet. Das erzeugte Bier ist allerdings nicht identisch mit dem Bier, wie wir es kennen. Es handelt sich vielmehr um Rauchbier, welches heute als Spezialität gilt und geschmacklich an geräuchertes Fleisch erinnert. Der Sage nach schmeckt erst das „dritte Seidla“ so richtig nach Bier. Wer heute diese Geschmacksrichtung ausprobieren mag, kann dies z. B. in Bamberg tun. Dort wird noch immer Rauchbier gebraut.

Eichen sollst du weichen … und auch Buchen sollst du bei Gewitter auf keinen Fall suchen! Dieses etwas abgewandelte Sprichwort ist 1748 wohl noch unbekannt, denn:

Am 3. Juli 1748 schlägt der Blitz im Bischofshain in einen Baum, der dabei völlig zerschmettert wird. Dummerweise haben ausgerechnet unter diesem Baum 3 Männer Schutz vor dem Regen gesucht: „Hanns Nicol Vater, dessen Sohn und Caspar Heinrich von Ende“ – keine gute Idee! Dem einen schmelzen die Schuhschnallen weg, der zweite wird betäubt. Über das Schicksal des dritten erfahren wir nichts Genaueres. Alle drei kommen aber wie durch ein Wunder mit Leben und Gesundheit davon. Glück gehabt …

Am 25. September 1748 wird die Malzdarre gerichtet. Der Streit wegen der Malzgerechtigkeit mit den Königseern war in Wetzlar vor dem Reichkammergericht, dem höchsten Gericht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, entschieden worden.

Als Malzdarre bezeichnet man eine Einrichtung zum Trocknen von Grünmalz. Das Grünmalz – Getreidekörner (Gerste), die durch Benetzung mit Wasser auf der Tenne zum Keimen gebracht werden – wird auf die Darre, ein enges Netz aus Draht o. ä. gebracht und von unten mittels heißer Luft getrocknet, und zwar über einem Buchenholzfeuer, wodurch der typisch malzige Geschmack entsteht (Braumalz).

1750 – befindet sich die Knabenschule im Gebäude rechts neben dem heutigen Gasthaus „Schenke“), die Mädchenschule im Gebäude links neben dem Fröbelhaus (ZAS, heute AWO Seniorenheim).

Exkurs:

1750 – am 7. August wird „Engela Baumin“ aus Friedersdorf wegen Kindesmord in Königsee geköpft. Der Kopf wird zur Abschreckung auf einen Pfahl gesteckt. Später wird die Leiche ohne Sarg auf dem Richtplatze eingescharrt.

Am 19. August wird ein zweiter Leichnam (Böttner) um Mitternacht in aller Stille an einer abgelegenen Stelle des Friedhofes „eingescharrt“. Vermutlich handelt es sich um einen Mittäter des oben erwähnten Kindesmordes.

Wir werden im Laufe dieser Chronik noch des Öfteren mit derlei Verbrechen zu tun haben. Ich erwähne diesen Fall beispielhaft, zum einen, weil er auch dem Chronisten Kiesewetter aufzeichnungswürdig erschien, zum anderen, weil in einem meiner Bücher drei Jugendliche einen ähnlichen, Jahrhunderte zurückliegenden Fall „aufklären“ und dabei einige erstaunliche Zusammenhänge nicht nur mit der Ortsgeschichte Oberweißbachs erkennen und aufzeigen.

 


Schon 1760, am 29. August – ein ähnlicher Fall: Wegen am 18. April begangenen Kindesmordes wird die Witwe Anna Barbara Friedrich in Königsee mit dem Schwert hingerichtet. Auch sie wird an einer entlegenen Stelle des Friedhofes vergraben.



Camilla Horn als "Gretchen" in der Faust-Verfilmung von 1926

1754 – Am 20. Juni wird in Königsee das auch für Oberweißbach zuständige Hochgericht (Richtstätte) erbaut (erneuert?). Die Zimmerleute des gesamten Amtsbezirkes werden dazu herangezogen. Heute würde man die Kosten vermutlich in Form einer Umlage von den einzelnen Orten eintreiben.

1755 – Im Januar und Februar herrscht wieder große Kälte, ähnlich wie im Jahre 1740.

1759 – Am 9. Mai nachmittags brennen in Quelitz 6 Wohnhäuser und das Hammerwerk nieder. Brandursache ist vermutlich ein im Hammerwerk entstandener Funke, der eines der Nachbarhäuser in Brand gesetzt hat.

1761 – Am 18. Mai brennen in Deesbach 64 Wohnhäuser ab.

***

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Die alte(n) Oberweißbacher Kirche(n)

Was ist eigentlich ein Positiv? Und wozu braucht man eine Kanzel-Uhr? Beim Durchstöbern einiger alter Dokumente bin ich kürzlich auf ein...