14. Das 20. Jahrhundert

1903 – Am 12. April 11 Uhr brennen die Scheunen von Briefträger Liebrecht Fröbel, August Schippel und Karl Wilhelm nieder.

1904 – Nachdem in Oberweißbach Pläne der Gemeinde Mellenbach bekannt werden, dort eine Anstalt zur Gasherstellung aus Steinkohle zu errichten, wird ein Komitee gegründet, das die Errichtung eines Gaswerkes in Oberweißbach plant.

Am 17. August nachts 11 Uhr bricht Feuer im Stallgebäude der Witwe Elenora Götze aus. Deren Wohnhaus, Stall und Scheune, das Wohnhaus und die Kegelbahn des Restaurateurs Emil Lotze sowie das Wohnhaus von Louis Schneider brennen nieder.

Am 19. August nachts ½ 10 Uhr bricht Feuer im Holzschuppen des Steindruckereibesitzers Raimund Harras aus. Dessen Wohnhaus, Nebengebäude, Scheune und Schuppen sowie die Wohnhäuser des Schneiders Karl Enders, der Witwe Ernestine Bock und des Hermann Rosenbaum brennen nieder.

Am 25. August nachmittags 7 ½ Uhr brennt das Backofengebäude des Konditors und Posthalters Emil Bock. Dieses sowie ein weiteres Haus des Bock werden vollständig zerstört.

Am 17. September vormittags 7 Uhr brennt das Stallgebäude des Thermometermachers Karl Schneider. Stall und Scheune brennen nieder; das Wohnhaus bleibt verschont.

Die Brandursachen bleiben in allen Fällen ungeklärt.

1905 – In diesem Jahr wird zur Förderung der Glasbläserei die Gasanstalt gebaut. Hierfür erhält die Fa. Leopold & Härting aus Königswusterhausen den Auftrag.

Am 2. Oktober nimmt das Oberweißbacher Gaswerk (heute Fa. Wicklein) seine Arbeit auf. Damit erstrahlen in Oberweißbach erstmals Straßenlampen – mit Gas betrieben.

1906 – Im Jahr 1906 wird mit dem Bau der Wasserleitung begonnen. Das von der Fa. Glockenbach errichtete Wasserwerk geht am 28. Dezember 1906 in Betrieb. Zur gleichen Zeit wird der „Hirtenteich“ als Feuerlöschteich ausgebaut. Im Dorfbach werden an zahlreichen Stellen Absperrschieber eingebaut. Im Brandfalle kann so Wasser in den Bach geleitet und an entsprechender Stelle aufgestaut werden.

1907 – Im Januar werden Pläne bekannt, wonach eine Eisenbahnstrecke von Sitzendorf über Leibis nach Oberweißbach geführt und bis Neuhaus erweitert werden soll.

Mylius Ehrhardt errichtet in Oberweißbach eine Glühlampenfabrik.

Am 7. August besichtigt die Vorsitzende des Internationalen Fröbelvereins, Eleonore Heerwart, in Begleitung von Fröbelfreundinnen aus mehreren Ländern das Fröbelgeburtshaus.

Am gleichen Tag entlädt sich ein schweres Gewitter. Der Blitz schlägt in die neue Telefonleitung und den Fröbelturm ein.

1908 – Das Bahnprojekt Sitzendorf – Leibis – Oberweißbach – Neuhaus wird als zu aufwendig wieder verworfen.

1911 – Das Glühlampenwerk wird Teil der Fa. Hugo und AlfredSchneider AG (HASAG)

1912 – Im Herbst fährt die letzte Personenpost von Sitzendorf nach Neuhaus und wird durch das Postauto abgelöst.

1917 – Am 18. September werden die große und die kleine Glocke zu Heereszwecken abgeliefert.

1919 – Am 11. August erteilt die Regierung des FreistaatesSchwarzburg-Rudolstadt die Baugenehmigung zur Errichtung der Bergbahn.

Zufall: Am gleichen Tage unterzeichnet Reichspräsident Friedrich Ebert in Schwarzburg die Verfassung für das Deutsche Reich (Weimarer Reichsverfassung), die noch heute in Teilen fort gilt (siehe Artikel 140 Grundgesetz).

Im September beginnen die Bauarbeiten zur Bergbahn auf der künftigen Flachstrecke in Cursdorf.

 

Im Jahr wird die Berufsschule für Glasbläser eingerichtet.

1920 – Oberweißbach erhält elektrische Beleuchtung.

1922 – Der Bau der Steilstrecke für die künftige Bergbahn beginnt. Das Baumaterial wird zum einen mittels einer dampfbetriebenen Seilzugwinde von der Talstation nach oben befördert und zum anderen mit einer Straßenlokomotive (Dampftraktor) herbeigeschafft. Ab August erfolgen erste Probefahrten der Bergbahn.

 

1923 – Am 8. und 9. Januar erfolgt die Gesamtabnahme für die Oberweißbacher Bergbahn, der regelmäßige Personenverkehr beginnt am 1. März. Offiziell eröffnet wird die Bergbahn am 15. März.

1926 – Im Jahr 1926 werden die beiden HASAG-Glühlampenwerke Oberweißbach und Eisenach vereinigt.

1932 – Am 13. April erhält Oberweißbach das Stadtrecht.

In der Neuen Straße wird das Gebäude der Krankenkasse (AOK) errichtet.

Im Winter wird die Sprungschanze im Mellenbachtal in Betrieb genommen.

1933 – In diesem Jahr wird Ortsstraße neu hergerichtet, erstmals asphaltiert und im oberen Ort – als Vorsorge gegen Rutschgefahr – gepflastert. Vorher war die Straße lediglich mit Schotter etwas befestigt.

1934 – Der Schützenplatz (heute Stadtpark am Kulturhaus) wird in eine Grünanlage umgewandelt und mit Bänken versehen. Gleich nebenan wird der Sportplatz errichtet.

Erste Pläne für den Neubau einer Fröbelschule werden erarbeitet.

Früher Plan zum Bau der Fröbelschule, unterzeichnet von Architekt Dinkler, der auch die Häuser in der oberen Lichtenhainer Straße projektiert hat.

1935 – Das (frühere) Gebäude der Stadtverwaltung (Markt 7) wird aufgestockt.

Der Fotograf Max. O. Henkel errichtet das Oberweißbacher Kino.

1935 wird auch die Errichtung des Pfarramtes in der Fröbelstraße beschlossen, wodurch das Fröbelhaus für eine kleine Fröbelgedenkstätte und die Unterbringung des Kindergartens frei wird, welche beide 1937 eingerichtet werden.

Am Fröbelturm wird eine Veranda angebaut und die Fahrstraße zum Turm wird ausgebaut.

1936 – Am 8. Januar wird der beidseitige Ausbau der Bürgersteige beschlossen und noch im selben Jahr ausgeführt. Entlang der Bürgersteige werden im ganzen Ort (teilweise noch heute erhaltene) kleine Ahornbäume angepflanzt, was zu einer deutlichen Verschönerung des Ortsbildes beiträgt und ihm ein einzigartiges Gepräge verleiht.

1937 – Es beginnt der Bau der Siedlung in der Lichtenhainer Straße.

Die bis dahin oft noch vor den Häusern befindlichen „Höfe“ werden beseitigt (teilweise befanden sich dort sogar Misthaufen). Die freigeräumten und gereinigten Flächen werden auf Kosten der Stadt mit Mutterboden bedeckt und in Grünflächen umgewandelt.

Die Kleinsiedlung „Die sieben Raben“ am Turmweg entsteht.

Am 18. Mai geht über Oberweißbach ein schweres Gewitter nieder. Von Feldern und Wiesen, vor allem am Kirchberg und im unteren Ort (Winterseite am Hügel, Bohnetal) wird großflächig der gesamte Mutterboden weggeschwemmt. Der gesamte Marktplatz ist mit Schlamm und Geröll bedeckt. Zur Schadensbeseitigung rückten Einheiten des Reichsarbeitsdienstes (RAD) an. Die Oberweißbacher Lehrerin Erna Vogler verarbeitet das Ereignis später in einer ihrer Kindergeschichten („Vier kleine Menschenbrüder“), verlegt es dabei aber in die unmittelbare Nachkriegszeit.

Am 21. Juni, dem 85. Todestag Friedrich Fröbels, wird das Fröbelhaus eröffnet.

1938 – Im Mai wird das Richtfest für das neue Schulgebäude in der Fröbelstraße gefeiert.

1939 – Am 1. September wird die „Friedrich-Fröbel-Schule“ ohne Feierlichkeiten eröffnet. Im Morgengrauen dieses Tages beginnt der 2. Weltkrieg.

Für die Kriegszeit fehlen mir wiederum Unterlagen oder andere Materialien. Vielleicht kann der/die eine oder andere dazu beitragen, dass diese Lücke künftig gefüllt wird.

1944 – Im Frühsommer 1944 fallen auch nahe Oberweißbach einige Bomben, zum Glück nur auf freies Gelände in ausreichender Entfernung zum Ort.

1945 – Am 9. April beschießen US-Artillerieeinheiten vom „Langen Berg“ aus Oberweißbach. Ein Gebäude („Tränenburg“) wird zerstört, zwei weitere beschädigt, zwei Menschen kommen ums Leben. Der Beschuss wird eingestellt, nachdem auf dem Kirchturm und dem Fröbelturm weiße Fahnen gehisst werden. Der Fröbelturm wird stark beschädigt.

Am 10. April wird Oberweißbach von aus Richtung Meuselbach anrückenden US-Truppen besetzt, womit in unserem Ort der Krieg zu Ende ist. 

Am 8. Mai kapituliert die Wehrmacht.

Am 1. Juli wird Thüringen und somit auch Oberweißbach entsprechend des Beschlusses der Siegermächte von Sowjettruppen besetzt.

Am 01.10.1945 nimmt das Oberweißbacher Glühlampenwerk seine Arbeit notdürftig wieder auf. Gefertigt werden Allgebrauchslampen, wie jeder sie noch heute aus dem Haushalt kennt.

1946 – Aus Polen und der Tschechoslowakei kommen etwa 300 Umsiedler nach Oberweißbach.

Rudolf Henkel beginnt mit der Wiederinstandsetzung des Fröbelturmes.

1948 – 01.06.1948 Das Oberweißbacher Glühlampenwerk wird zum volkseigenen betrieb (VEB). Hergestellt werden Allgebrauchslampen, Beleuchtung für Dunkelkammern und Hochvoltlampen.

Währungsreform. Die Reichsmark (RM) wird im Verhältnis 1 : 10 in Deutsche Mark der Deutschen Notenbank (DM, später MDN) abgewertet.

1949 – Versuchsbohrungen der SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) „Wismut“ auf Uran.

Gründung der DDR.

1952 – Oberweißbach, bisher zum Kreis Rudolstadt gehörig, wird Teil des Kreises Neuhaus am Rennweg.

1953 – Das Landambulatorium wird errichtet.

Erstes Abitur an der EOS „Friedrich Fröbel“,

1954 – Die ersten FDGB-Urlauber kommen nach Oberweißbach.

Das frühere Schützenhaus wird zum Kulturhaus (RFT, später NARVA) umgebaut.

1956 – Die LPG „Aufbau“ wird gegründet. Auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes entsteht eine Maschinen- und Traktorenstation (MTS). Die Landmaschinen stammen von der LPG Schmiedefeld. Die Genossenschaft verfügt zunächst nur über 42 ha Land, 3 Kühe, 1 Färse und 10 Mitglieder, von denen aber nur 4 Bauern sind und Land einbringen.

1960 – Die Produktion von Normallampen wird von Oberweißbach nach Berlin verlegt. Das hiesige Glühlampenwerk produziert fortan nur noch Niedervoltlampen (Weihnachtsbeleuchtung, Fahrzeuglampen).

1962 – Durch den Zusammenschluss der LPGen Oberweißbach, Cursdorf und Deesbach entsteht die LPG „Vereinte Kraft“.

1962/63 werden die beiden AWG-Wohnblöcke in der Fröbelstraße erbaut. (Baubeginn nach anderen Angaben schon 1959).

1969 – Der Fröbelturm wird mit Asbestplatten verkleidet.

Erweiterungsbau des Ferienheimes „Schönstedt“.

1978 – Im Bohnetal wird ein Skilift gebaut.

1982 – Anlässlich des 200. Fröbelgeburtstages begrüßt Oberweißbach internationale Gäste. In diesem Jahr entstehen der neue Kindergarten in der Fröbelstraße, das Memorialmuseum „Friedrich Fröbel“ im Fröbel-Geburtshaus sowie ein „Eiscafé“ in der Rudolstädter Straße. Außerdem werden umfangreiche Verschönerungsmaßnahmen im ganzen Ort durchgeführt sowie Gas- und Wasserleitungen sowie Straßen und Bürgersteige erneuert..

1989 – Nach den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR (7. Oktober) kommt es ab 9. Oktober in Berlin und danach überall im Lande zu Unruhen.

In Oberweißbach bildet sich am Reformationstag (31. Oktober) eine Bürgerbewegung.

Am 9. November kommt es – als Folge einer missverständlichen Meldung in der DDR-Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ – zu einem regelrechten Sturm der Bevölkerung auf die Berliner Mauer, die daraufhin geöffnet wird.

1990 – Am 1. Juli tritt eine Währungsunion zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland in Kraft; die DDR-Mark wird bis zu einem Betrag von 4.000 Mark (M) 1 : 1, darüber hinaus 1 : 2 in Deutsche Mark (DM) getauscht.

Am 3. Oktober 0:00 Uhr tritt die DDR gemäß Artikel 23 dem Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei.

Wird fortgesetzt ...


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