03 Juni, 2020

Friedrich Fröbel und der Kindergarten

Am 21. April 1782 wird in Oberweißbach Friedrich Fröbel geboren. Sein Vater ist der damalige Pfarrer Johann Jakob Fröbel (geb. 28.01.1730 in Neuhaus, gest. 10.02.1802 in Oberweißbach), seine Mutter Jacobine Eleonore Friederike (geb. Hoffmann, geb. 24.03.1744 in Singen). Als sie im Jahr darauf (am 7. Februar 1783) stirbt ahnt niemand, welche Auswirkungen dieser frühe Verlust und das emotional völlig unterkühlte Verhältnis zur Stiefmutter (Friederike Sophie Otto) für den Jungen – und seinen späteren Werdegang – haben wird.

Die Bedeutung der frühesten Kindheit für die seelische und intellektuelle Entwicklung von Kindern nämlich ist es, die Fröbel berühmt machen wird. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Hier einige Stationen in Kürze:

  • 1792: Umzug nach Stadtilm zum Onkel, Superintendent Hoffmann,
  • 1797: Landwirtschafts- und Försterlehre bei Hirschberg (Saale),
  • 1799: Studium der Naturwissenschaften in Jena,
  • 1802: Forstamtsaktuar (Sekretär, Landvermesser) in Baunach und Bamberg,
  • 1804: Privatsekretär auf Gut Groß Miltzow.

Und dann legt er richtig los:

Ab 1805 lernt Fröbel in Frankfurt am Main die Ideen JohannHeinrich Pestalozzis kennen, arbeitet ebendort von 1806 bis 1811 als Hauslehrer der Söhne der Familie von Holzhausen und zieht zusammen mit den drei Jungen 1808 zu Pestalozzi nach Iferten (heute: Yverdon-les-Bains, Kanton Waadt) in die Schweiz (bis 1810).

1811: Fortsetzung des Studiums der Sprachen, Physik und Chemie in Göttingen und der Mineralogie in Berlin sowie Tätigkeit als Lehrer an der dortigen Erziehungsanstalt von Johann Ernst Plamann.

1813: Teilnahme an der Schlacht von Großgörschen (heute Lützen). Bei den Lützower Jägern, einem wegen der erstmals verwendeten (Uniform-) Farben Schwarz-Rot-Gold historisch bedeutsamen Freikorps im Kampf gegen Napoleon, beginnt die Freundschaft zu den späteren Mitarbeitern WilhelmMiddendorf und Heinrich Langethal.

1814: Assistent am Institut für Mineralogie in Berlin,

1816: Gründung der „Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt“ in Griesheim, die im Jahr darauf nach Keilhau bei Rudolstadt verlegt und von Fröbel gemeinsam mit Langethal, Middendorf und Wilhelmine Henriette Hoffmeister geführt wird,

1818: Heirat mit Wilhelmine Henriette Hoffmeister,

1826: „Die Menschenerziehung“, Friedrich Fröbels pädagogisches Hauptwerk, erscheint.

1831: Gründung einer Erziehungsanstalt auf Schloss Wartensee in Neuenkirch (Kanton Luzern, Schweiz), welche 1833 nach Willisau verlegt wird.

1835: Leitung des Waisenhauses in Burgdorf (Kanton Bern, Schweiz).

1837: Rückkehr nach Thüringen und Gründung eine „Pflege-, Spiel- und Beschäftigungsanstalt“ für Kleinkinder.

In Bad Blankenburg beginnt Friedrich Fröbel mit der Gestaltung und Herstellung seiner Spielgaben und anderer kleinkindgerechter Spielmaterialien, denkt sich Bewegungsspiele, Denkspiele, Lieder und leicht eingängige Sprüche aus und unternimmt mit den Kindern ausgedehnte Exkursionen, Spiele und Abenteuer in freier Natur.

1839: Fröbels Ehefrau stirbt.

1840: Am 28. Juni Gründungsveranstaltung des „Allgemeinen deutschen Kindergartens“ (und damit des weltweit ersten Kindergartens) in Bad Blankenburg,

1842: Bildungskurse für Kindergärtnerinnen,

1844: Friedrich Fröbels „Mutter- und Koselieder“ erscheinen.

1850: Auf Schloss Marienthal Gründung der ersten Schule zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen, Spielfest auf dem Altenstein am 4. August.

1851: Heirat mit Louise Levin, einer früheren Schülerin Fröbels.

Am 7. August 1851 verbietet Preußen den Betrieb von Kindergärten wegen angeblicher „destruktiver Tendenzen auf dem Gebiet der Religion und Politik“, beruft sich dabei jedoch auf ein Buch über Hochschulen für Mädchen und Kindergärten von Karl Fröbel, einem Neffen Friedrich Fröbels. Das Verbot, das weit über Preußens Grenzen hinauswirkt, trifft Friedrich Fröbel tief. Die Wiederzulassung der Kindergärten 1860 erlebt er nicht mehr.

1851 nimmt Friedrich Fröbel noch an einer Pädagogen-Versammlung in Bad Liebenstein und am 3. Juni 1852 an der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung in Gotha teil. Wenige Tage später, am 21. Juni 1852 stirbt er in Marienthal und wird auf dem Friedhof von Schweina begraben.

Und was bleibt? Der Kindergarten!

Lernen ist Nachmachen, Ausprobieren, möglichst exaktes Kopieren komplexer Dinge mit möglichst einfachen Mitteln. Je einfacher die Mittel, umso vielfältiger die Möglichkeiten! Das ist alles!

Was? Alles?

Fröbels Spielgaben, geometrische Formen wie Kugel (Ball), Walze (Zylinder), Würfel und deren Unterteilungen, sind solche einfachen Mittel, mit denen man unendlich viel machen, schaffen, bauen, ausprobieren und entwickeln kann und mit denen Kinder besonders gut greifen und be – greifen lernen. Im Spiel mit Fröbels Gaben schärfen Kinder ihre Sinne, Geschick, Feinmotorik und Erinnerungsvermögen.

Aus einem Würfel kann man zwei „Dächer“ machen, indem man ihn diagonal teilt. Aus zwei oder mehr Würfeln entstehen Quader – so wie die Holzbausteine, die es heute in jedem Kindergarten zu hunderten gibt (oder jedenfalls geben sollte). Zylinder lassen sich als Säulen, Walzen oder runde Scheiben nutzen und die Kugel ist entweder ein Ball (Bewegungsspiele!) oder sie ergibt zwei „Kuppeln“ oder Halbkugeln, wenn man sie teilt.

Die 2. Spielgabe (Kugel, Walze, Würfel) auf einer DDR-Münze

Aus Würfeln, Quadern, Zylindern und Halbkugeln kann das Kind unendlich viele Dinge bauen, eine Ritterburg z. B., eine Brücke, eine Eisenbahn, Häuser, Straßen, Schienen, Zäune oder einen Turm, den es gemeinsam mit seinen Eltern irgendwo gesehen hat. Es baut seine eigene Welt im Kleinen – und begreift auf diese Weise die „große Welt“. Selbst wenn das Kind immer nur Ritterburgen bauen würde, so würde wahrscheinlich keine der anderen genau gleichen! Es kommt nur darauf an, dass möglichst viele Bausteine vorhanden sind.

„Das Spielen ist die eigentliche Arbeit des Kindes und ihm ebenso Bedürfnis, wie dem reifen Alter schaffende Tätigkeit … Spiel ist die ernsteste Angelegenheit für ein Kind, nichts Unterhaltendes-Überflüssiges, wie Erwachsene es häufig beurteilen.“

Dieses Zitat stammt – nein, nicht von Friedrich Fröbel – sondern von einem anderen Friedrich: Friedrich Nietzsche! Auch sein Leben war maßgeblich bestimmt von den Erfahrungen seiner frühen Kindheit aber zurück zu „unserem“ Friedrich Fröbel:

Komplexes aus Holzbausteinen bauen – ist das alles?

Komplexes aus Einfachem bauen – das schult die Feinmotorik und die Fantasie der Kinder! Und nennt man das heute nicht Emergenz, wenn das Ergebnis mehr ist als die Summe seiner Teile?

Funktioniert Schrift nicht ebenso – 26 Buchstaben, unendlich viele Worte? Schrift ist Information, weil Buchstaben zueinander in Formation gebracht werden! Die Kinder bringen Holzbausteine „in Formation“. Und ein PC, der binäre Code – da gibt es nur „0“ und „1“. Oder wie entstehen wunderschöne Bilder aus nur wenigen Grundfarben? Und die Erbinformation, die Bausteine des Lebens? Es gibt keinen Menschen, der exakt gleich aussieht wie ein anderer – und doch gründet sich diese unendliche Vielfalt auf eine DNA mit nur 4 Basen, die unendlich viele Kombinationen miteinander eingehen!

Fröbels Idee ist so einfach wie genial! Und sie ist zeitlos! Man muss nur erst einmal darauf kommen!

Aber was heißt eigentlich Kindergarten?

Ein Garten ist ein geschützter Raum und doch Teil der Natur, in dem Pflanzen, Blumen, Obstbäume, Gemüse usw. heranwachsen; gepflegt vom Gärtner, von einem, der sich auskennt mit Gärten und ihren Bewohnern. Am Anfang brauchen die jungen, zarten Pflanzen viel Pflege, man muss viel in sie hineinstecken, investieren, vor allem ganz viel Menschliches, Liebe, Zuwendung, Pflege.

Nichts anders soll nach Fröbel den Kindern im Kindergarten angedeihen. Und genau wie der Baum, der Jahr für Jahr seine Früchte trägt und der Natur viele Jahre lang mehr zurückgibt, als er ihr in seiner „Kindheit“ nahm, soll der Kindergarten den Grund legen für lebenstüchtige, glückliche, gesunde, selbstbewusste, stolze, sich selbst und anderen nützliche Menschen. Ist das nicht ein Ziel weit über die Vorschulerziehung hinaus?

Stolz?

Ja, Stolz! Die ganze Welt ist stolz auf Fröbels Idee, auf den Kindergarten – und nennt ihn mit seinem deutschen Namen! Nur in Deutschland „vergisst“ man ihn immer öfter, den Kindergarten. Ist das nicht traurig? Welche inhaltliche, welche pädagogische Aussage enthält denn eigentlich der amtlich kühle Begriff „Kindertagesstätte (KITA)“…?


Nein, Fröbel hat nicht nur den Kindergarten erfunden, sondern, vielleicht nur zufällig, ein geniales Prinzip der Natur entdeckt, von dem längst nicht nur Kinder lernen können …

***


Das 18. Jahrhundert – Teil 2

Siebenjähriger Krieg (1756 – 1763)

Vor allem in den Jahren 1761 bis 1763 hat unsere Gegend stark unter dem 7-jährigen Krieg zu leiden. Die Gemeinde muss wiederholt Kontribution zahlen (eine Kriegssteuer), „daß die Unterthanen sich nicht mehr helfen konnten“.

1762 – Bis Ende Mai herrscht starker Frost.

1765 – Im Jahr 1765 werden in Oberweißbach – entsprechend der Jahreszahl – genau 1765 Eimer Bier gebraut.

1 Eimer = ca. 70 Liter

1767 – Am 27. März herrscht wiederum starker Frost. Alle Mühlen frieren ein.

Fast einen Monat später, am 17. April, hat sich daran offenbar wenig geändert. Starker Sturm mit Schneegestöber kostet zwei Männern das Leben. Nachdem sie mehrere Studenten nach Neuhaus begleitet haben, sollen sie die Pferde zurück nach Oberweißbach bringen. Die Pferde kommen jedoch ohne Reiter hier an; die Männer werden später erfroren nahe der „Hettstedt“ (Hochstedt, Hüttstadt) gefunden.

Am 18. April, nur einen Tag nach diesem tragischen Ereignis (man beachte die Witterungsverhältnisse), wird mit dem Ausheben des Grundes für die neue Kirche begonnen. Der Grundstein wird am 25. Mai gelegt.

Unterweißbach und Quelitz treten aus dem hiesigen Kirchspiel aus und erhalten eigenen Pfarrstellen.

Von 1767 bis 1769 werden insgesamt 9.401 Reichstaler und 16 Groschen verbaut, 1770 sind es 1.363 Reichstaler und 5 Groschen.

  • 1 Reichstaler entspricht ab etwa 1750 = 16,704 g Feinsilber (reines Silber 999/1000). Der Reichstaler (Rthl.) gliedert sich in 24 Groschen (Gr.) oder 288 Pfennige (Pf.).
  • Ein Viertel Korn kostet damals 1 Reichstaler, 15 Groschen.
  • Umrechnung: 1 Scheffel = 4 Viertel = 8 Metzen = 16 Mässchen = 0,45632 Hektoliter = 456,32 Liter, 1 Viertel sind demnach = 114,08 Liter.

1770 – Am 6. August werden Knopf und Fahne auf den neuen Kirchturm gesetzt.

1771 – Ein schweres Gewitter am Mittwoch, dem 12. Juni richtet erhebliche Schäden auf den Äckern an; 5 Kühe ertrinken.

Der folgende Sommer bleibt regenreich, so dass die gesamte Ernte vernichtet wird. Verzweifelt suchen die Menschen nach Essbarem. Aus Kleie und Erbsenmehl backen sie Brot; gekochtes Gras dient als Gemüse. Die Ruhr breitet sich aus und fordert zahlreiche Todesopfer. Die Bauarbeiten an der Kirche werden unterbrochen.

Das Viertel Korn kostet jetzt 5 Reichstaler, fast 5-mal so viel wie 1770. Im August geht der Preis auf 2 Reichtaler, 20 Groschen zurück.

1772 – Samstagnacht, am 16. Mai brennen, vermutlich durch Brandstiftung, in Mittelweißbach 2 Scheunen ab.

Auch 1772 herrscht große Teuerung. Aus Erfurt dürfen für maximal 12 Reichstaler Lebensmittel ausgeführt werden.

1774 – Am Sonntag, den 12. September nachts bricht bei Johann Nicol Liebmann in Deesbach Feuer aus. Zwei Häuser brennen nieder.

1775 – In diesem Jahr tritt Pfarrer Johann Jacob Fröbel, der Vater von Friedrich Fröbel, sein Amt in Oberweißbach an.

1776 – Am 17. März (nach Elsässer am 13. März) brennen nachts zwischen 0:00 und 1:00 Uhr in Mittelweißbach 6 Wohnhäuser ab; ein weiteres wird beschädigt. Tags darauf gehen „sämtliche Vorgesetzten“ von Haus zu Haus, um Heu, Stroh, Hafer, Korn und Geld für die Abgebrannten einzusammeln.

Eine Generalkirchen- und Schulvisitation am 15. September bescheinigt den Oberweißbacher Schulen „sehr schlechte Schulverhältnisse“. Beklagt werden die schlechten Leistungen der Kinder und eine enorme „Schulversäumnis“. Der Grund dafür ist schnell ausgemacht: Die Kinder müssen in der Landwirtschaft helfen!

Der neue „Schenkenwirt“ beschäftigt die Oberweißbacher im November 1776. Der Oberweißbacher Schultheiß wird deshalb sogar beim Hochfürstlichen Amt vorstellig, offenbar um zu verhindern, dass dem Bewerber eine Konzession erteilt wird. Der Grund: Der künftige Gastwirt ist vor allem bei den Fleischern gefürchtet, weil er „immer einen großen Hund bei sich (hat) und einen ‚Stahl‘ (trägt)“. Das Amt jedoch sieht darin kein Problem; der rabiate Wirt erhält seine Konzession.

Die hier gemeinte „Schenke“ ist nicht identisch mit dem heutigen gleichnamigen Gasthof. Vielmehr ist der damalige Gemeindegasthof gemeint, welcher sich auf dem Marktplatz in der Mitte der Straße befand. 1857 brannte er teilweise ab, wurde schließlich – wie alle ehemals in der Straßenmitte befindlichen Gebäude – abgerissen und fand später im „Wilhelmschen Hause“ (heutiger Gasthof „Zur Schenke“) seinen neuen Platz.

Am 25. November ergeht ein Reskript betreffend den Brandschutz im Fürstentum. Darin heißt es u.a.:

  • 1. dass das Flachsdörren nur dann erlaubt ist, wenn sich die Backöfen weit genug von den Dörfern entfernt befinden. Eine entsprechende Visitation erfolgt bereits am 3. Dezember.
  • 2. dass jeder „Hausvater“ sein Haus mit einem Wassereimer zu versehen hat.
  • 3. dass ein jeder in der Gemeinde Feuerhaken und Leitern vorhalten soll,
  • 4. dass jeder „Hausvater“ eine Handspritze haben soll,
  • 5. dass bei jeder dieser Spritzen 2 bis 3 Wassereimer sein sollen.
  • 6. Dass jede Gemeinde Feuerläufer anstellen und in Königsee in ihre Pflichten einweisen lassen soll.

1776 – scheint es den Oberweißbachern indes recht gut zu gehen, denn am 14. Oktober, anlässlich einer Zusammenkunft der Gemeinde in der „Schenke“, wird beschlossen, allerlei unziemliche Bräuche abzustellen. So sollen die „Herren Schullehrer nicht mehr zur Hochzeit bitten“ und die Musikanten, außer im Rahmen der kirchlichen Zeremonie, sollen „nicht spielen und (stattdessen) wegbleiben“. Offenbar haben bis dato sowohl die Lehrer als auch Musikanten stattfindende Hochzeiten im Ort zum Anlass genommen, um Geld zu betteln.

Beschlossen wird ferner, die Glocken nicht mehr so lange zu läuten und das Verbot des „Nachtzechens“ aufrecht zu erhalten.

1777 – Der Winter 1776/77 ist wieder sehr streng. Das Wild kommt bis in die Ortschaften, um nach Futter zu suchen.

Anlässlich einer Durchreise kehrt der „Durchlauchtigste Fürst Ludwig Günther II.“ bei Pfarrer Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach ein und beschenkt die neue Kirche mit 100 Reichstalern, „und zwar an lauter Carolin zu 6 Reichstalern und 12 Groschen.“

Seine Durchlaucht zahlen also in Gold. Der Karolin (oder Carolin) ist eine Goldmünze ohne aufgeprägten Wert und muss demnach – entsprechend seines Goldgehaltes und Gewichtes – in die entsprechende Landeswährung umgerechnet werden. Im vorliegenden Beispiel beträgt der Goldwert der einzelnen Münze 6 Reichstaler und 12 Groschen.

Pfarrer Fröbel bedankt sich untertänigst und schickt dem Landesherrn anlässlich seines Geburtsages am 22. Oktober einem Kuchen, welcher durch die Schultheißen von Cursdorf und Oberweißbach überbracht wird. Die wiederum werden auf Befehl des Hofmarschalls „in Schwarzburg gespeiset“.

1779 – Am 1. Juli werden die Glocken auf dem neuen Kirchturm gebracht. Am 21. (nach Elsässer am 24.) Oktober, nach 12 ½ jähriger Bauzeit, wird endlich die hiesige Kirche feierlich eingeweiht.

1782 – Nach Angabe von Ulla Heinze im „Oberweißbacher Bezirksblatt“ Nr. 4/1990 wird in diesem Jahr auf dem Oberweißbacher Marktplatz eine Hexe verbrannt.

Eine Quelle dafür konnte ich nicht ermitteln, bin aber für entsprechende Hinweise dankbar.

1782 – Am 21. April wird in Oberweißbach Friedrich Fröbel geboren, der spätere Erfinder und Begründer des Kindergartens.


Friedrich Fröbel
"Die Gartenlaube", Heft 1/1882

1783 – Am 7. Mai tobt ein starkes Gewitter über Oberweißbach; danach fällt Schnee – einen Fuß hoch.

Unter dem 10. August wird anlässlich nachbarschaftlicher Hilfeleistung bei einem Großbrand in Königsee erstmals eine Oberweißbacher Feuerspritze erwähnt.

1783/84 – Der Chronist August Elsässer schreibt: „1783/84 war ein sehr kalter und langer Winter. Es schneite 68-mal.“

Zwei kurze Sätze – doch welche Katastrophe verbirgt sich dahinter?

Am 8. Juni 1783 bricht auf Island der Vulkan Laki aus. Es folgt eine Ausbruchserie, die 8 Monate andauert und weltweite Auswirkungen auf das Klima hat. 1.000 Meter hohe Aschesäulen stehen über den 130 Kratern des Vulkans. 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid werden in die Atmosphäre geschleudert und reagieren dort mit der Luftfeuchtigkeit zu Schwefelsäure. Asche und saurer Regen vergiften Mensch und Tier und führen zu Hungersnöten im Winter 1783/84 – nicht nur auf Island, sondern in ganz Europa und Amerika. Auf Island stirbt ein Viertel der Gesamtbevölkerung. In Europa werden die Lungen vor allem der im Freien arbeitenden Bauern angegriffen und weil beim Ausbruch des Vulkans auch große Mengen an giftigem Fluor in die Luft gelangen, sterben Pflanzen und Tiere. Den Menschen fallen die Zähne aus und es kommt zu einer Hungersnot. Es folgen Missernten und ein vulkanischer Winter (1783/84).

Ja, „1783/84 war ein sehr kalter und langer Winter“, ein vulkanischer Winter.

1784 – In diesem Jahr scheint es bereits 2 Feuerspritzen im Ort gegeben zu haben, denn am 14. April 1784 listet Kiesewetter in seinen Aufzeichnungen 2 Mannschaften namentlich auf, die der „alten“ und der „neuen“ Spitze zugeordnet werden. Die alte Spritze ist demnach „bey der alten Kirche“ stationiert (Spritzenhaus zwischen Fröbelmuseum und heutigem Friedhofseingang); die neue Spritze hingegen „bey der Malztar“ (Malzdarre).

Spritzenmeister und Mannschaft zur alten Spritze: 

  • 1. Spritzen-Meister Daniel Holzey,
  • 2. Vice-Spritzen-Meister Nicol Heinrich Lüpfert,
  • 3. Jacob Groman,
  • 4. Joh. Nicol Siegmund,
  • 5. Joh. Jacob Bock,
  • 6. Joh. Nicol Walter, Evalisen Sohn,
  • 7. Christophel Günsch,
  • 8. Georg Nicol Henkel,
  • 9. Joh. Nicolaus Laurentz,
  • 10. Andräas Walter Evalies Doffel,
  • 11. Joh. Nicol Francke,
  • 12. Joh. Jacob Lieberman,
  • 13. Joh. Peter Dorn,
  • 14. Joh. Michael Bergman.

Für bzw. nach jedem Nachbarort wurden Feuerläufer bestimmt:

  • 1. nach Deesbach: Weber Schamberg,
  • 2. nach Unterweißbach: Günther Rosenbaum,
  • 3. nach Lichtenhain: Andräas Wallenhauer,
  • 4. nach Cursdorf: Joh. Jacob Preisler,
  • 5. nach Meura: Nicol Jacob Dorn

Spritzenmeister und Mannschaft zur neuen Spritze:

  • 1. Spritzen Meister Heinrich Eichhorn
  • 2. Meister Joh. Nicol Müller, Vice-Spritzen Meister
  • 3. Joh. Jacob Walters Sohn
  • 4. Joh. Nicol Horun (?)
  • 5. Andräas Wallenhauer
  • 6. Heinrich Lange
  • 7. Nicolaus Neubauer
  • 8. Samuel Rauhe
  • 9. Joh. Michael Götze
  • 10. Joh. Märthin Eberhardt
  • 11. Georg Jacob Bock,
  • 12. Nicol Eichhorn,
  • 13. Georg Nicol Henckel Müll(er)
  • 14. Joh. Nicol Gürbert
  • 15. August Schmitt
  • 16. Joh. Jacob Francke
  • 17. Joh. Märthin Francke
  • 18. Joh. Friedrich Welsch
  • 19. Christofel Weise
  • 20. Joh. Casper Volck
  • 21. Jöger Krohmann
  • 22. J oh. Georg Fröbey (?) (Fröbel)
  • 23. Joh. Jacob Himmelreich

Einige Männer waren offenbar sowohl der alten als auch der neuen Spritze zugeordnet. Außerdem gibt es eine Randbemerkung, in welcher ein Johann Nicol Müller als Spritzenmeister „zur drithen neuen Spritzen“ erwähnt wird.

1785 – Am 16. September treibt ein „Kerl“ offenbar den ganzen Tag über sein Unwesen im Spritzenhaus neben der Pfarre. Er zerlegt die Feuerspritze und entwendet sämtliche aus Kupfer bestehenden Teile. Am Abend werden zwar etliche Einwohner auf die seltsamen Geräusche im Spritzenhaus aufmerksam, als man jedoch das Tor öffnet, entwischt der „Kerl“ – ob mit oder ohne Kupfer ist nicht vermerkt. Man vermutet jedenfalls, dass es sich um einen fremden „Kesselflicker“ handeln könnte.

Der Eintrag mag amüsant klingen, doch er hat es in sich: 

Das Oberweißbacher Spritzenhaus „neben der Pfarre“ (heute Fröbelmuseum) ist noch auf Fotos aus dem 19. Jahrhundert zu sehen. Es muss schon einige Zeit vor 1785 gestanden haben, was zeigt, dass sich Oberweißbach in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts offenbar den Luxus leisten konnte, ein solches Gerät anzuschaffen. Man muss dabei bedenken, dass zuverlässig arbeitende Feuerspritzen erst ab etwa 1740 gebaut wurden. Sie konnten tragbar oder fahrbar sein – oder es handelte sich um eine Abprotzspritze, deren Aufbau (die eigentliche Spritze) vom Fahrgestell abnehmbar (abprotzbar) war.

1789 – Am 12. Januar wird beschlossen, dass Braulose, die der Eigentümer nicht selbst nutzt, „nicht über den Stein“ in der Mitte des Dorfes verkauft werden dürfen, es sei denn, dass jemand „unter dem Stein“ Güter besitzt, aber „über dem Stein“ (im oberen Ort) wohnt oder ein Kind dort wohnen hat – und umgekehrt. An Fremde dürfen Braulose bei Strafe eines halben Reichstalers nicht verkauft werden.

Zur Erklärung: Die Einwohner brauen ihr Bier zu dieser Zeit selbst im Brauhaus; man muss das Brauhaus sozusagen „mieten“. Das Los (Braulos) bestimmt, wer an welchen Tagen wieviel Bier brauen darf. So kann es geschehen – und es geschieht wohl regelmäßig – dass jemand mehr Bier braut als er selbst mit seiner Familie verbraucht oder dass er sein Los gar nicht nutzt. Dieser „Überschuss“ an Bier bzw. Losen ist eine beliebte Handelsware, ja fast eine zweite Währung! Besagter Beschluss vom 12. Januar verbietet es nun, Bier vom unteren Ort „über den Stein“ in der Dorfmitte nach dem oberen Ort zu verkaufen – es sei denn man hat dort Verwandtschaft oder Besitz. Umgekehrt gilt das Gleiche für den oberen Ort.

1791 – Am 22. Juli gegen 8 Uhr morgens bricht bei Johann Michael Kiesewetter Feuer aus, wobei dessen und Christoph Wiegands Haus abbrennen. Spritzen und Mannschaften aus zahlreichen Nachbarorten eilen zu Hilfe, nämlich aus: Cursdorf, Meuselbach, Böhlen, Mellenbach, Deesbach, Lichtenhain, Herschdorf, Meura, Döschnitz und Königsee.

Beim Einläuten des Weihnachtsfestes am Heiligabend zerspringt die große Glocke.

1795 – Dieses Jahr scheint ein sehr unsicheres zu sein. Die Gemeinde Oberweißbach bittet die Fürstliche Regierung, 2 Unteroffiziere und 10 Verteidiger (Defensioner) „halten“ zu dürfen. Der Grund für die Vorsichtsmaßnahme ist nicht überliefert.

Am 18. August wird die große, vier Jahre zuvor zersprungene Glocke, zerschlagen und vom Kirchturm geworfen. Dabei stellt sich heraus, dass die 1734 in Weimar gegossene Glocke nicht – wie damals offenbar angegeben – 10 ½ Zentner, sondern nur 10 Zentner und ½ Pfund gewogen hat.

Die Glockengießerei Meyer in Rudolstadt gießt die Glocke für 150 Reichstaler um, so dass sie am 1. Oktober wieder nach Oberweißbach zurückkehrt und tags darauf auf den Turm gehoben und erstmals wieder geläutet wird.

Kleine Anmerkung: Sieben Jahre vor diesem Ereignis hat Friedrich Schiller die Glockengießerei Meyer in Rudolstadt besucht und notiert, dass ihn just dieser Besuch zu seiner berühmten Ballade „Das Lied von der Glocke“ angeregt habe. Das Gedicht erscheint dann aber erst 1797.

1796 – Am Morgen des 18. September bricht während des Gottesdienstes in Meura Feuer aus. 44 Häuser und 33 Scheunen brennen nieder. Zahlreiche Mannschaften und Spritzen rücken an, können aber kaum helfen, weil das Löschwasser fehlt. Oberweißbach unterstützt die Abgebrannten mit je 2 Fudern (Fuhren) Heu und Stroh.

Am 11. Dezember werden die Zifferblätter am Kirchturm angebracht.

1797 – Während eines Brandes bei Friedrich Nicol Sorge in Leibis kommt in der Nacht zum 19. April die aus Meura stammende 27-jährige Dienstmagd Catharina Margareta Bergmann ums Leben und verbrennt bis zur Unkenntlichkeit. Die hiesigen „jungen Purschen“ legen ihr Geld zusammen und bezahlen die Begräbniskosten.

1798 – Am 3. Februar brennt nachts die Blechhammermühle zwischen Unterweißbach und Sitzendorf ab. Aus Oberweißbach ist eine Spritze zur Unterstützung der Löscharbeiten dort.

1799 – leben in Oberweißbach (ohne Mittelweißbach) in 201 Häusern 1.030 Einwohner.

1800 – Der Sommer 1800 ist ausgesprochen trocken und heiß.

Nach einem Blitzeinschlag brennt in Deesbach am 28. Mai nachts das Haus von Heinrich Enders ab.

Am 30. Juli früh brennen 20 Häuser in Unterweißbach nieder und nur einen Tag später brennen in Oberweißbach 6 Häuser und „etliche“ Scheunen ab. Das Feuer entsteht beim Färbermeister Phillipp Dünkler und erfasst alle Gebäude bis zum Bäckermeister Kiesewetter.

Spritzenmannschaften aus nah und fern kommen zu Hilfe: aus Mellenbach, Meuselbach, Cursdorf, Lichtenhain, Deesbach, Oberhain sowie einige Mann aus „Dietersdorf“. Ausdrücklich erwähnt wird, dass aus Meura niemand kam. Der Brandschaden beträgt 50 Reichstaler.

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Das 20. Jahrhundert

Hinweis! Alle Beiträge in chronologischer Reihenfolge finden Sie rechts unter "Startseite" *** 1903 – Am 12. April 11 Uhr brennen ...