10. Das 19. Jahrhundert - Teil 1

1801 – Zu Heiligabend brennen gegen 22.00 Uhr in Mellenbach 20 Häuser ab. Ob Oberweißbacher Mannschaften und Spritzen dort sind, wird nicht erwähnt, ist aber anzunehmen.


Fürst Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt
weilt nebst anderen hohen Herren 1801 in Oberweißbach

1802 – Am 10. Februar stirbt Pfarrer Fröbel, der Vater von Friedrich Fröbel. Er wird am 13. Februar vor Tagesanbruch begraben.

Am 9. August brennt es im „Rohrbacher Holze“, wobei der Holzmacher Johann Küfner aus Unterweißbach umkommt.

Nur wenige Tage später, am Nachmittag gegen 17:00 Uhr des 12. August brennen in Oberweißbach 4 Wohnhäuser und 7 Scheuern nebst kleineren Hintergebäuden ab.

1803 – Am 19. August wird das Tännig an die „Mitnachbarn“ verlost. In diesem Zusammenhang werden erstmals die 31 Oberweißbacher Güter namentlich genannt:

  • 1.      Lenkarts-Gut
  • 2.      Steinmetzen-Gut
  • 3.      Grossen-Gut
  • 4.      Hanns Toffels (Doffels, Deffels) Gut
  • 5.      Friederich Henkels Gut
  • 6.      Brodkorbs Gut
  • 7.      Peter Sperschneiders Gut
  • 8.      Schuhansens (Schuhhänsen) Gut
  • 9.      Georg Anders Gut
  • 10.    Kaufhansen Gut
  • 11.    Untermühle
  • 12.    Obermühle
  • 13.    Stauchen Gut
  • 14.    Michels Gut
  • 15.    Jahn Claussen Gut
  • 16.    Bauers Gut
  • 17.    Koch Hansen (Koch Hänsen) Gut
  • 18.    Langbeins Gut
  • 19.    Pfeiffers Gut
  • 20.    Joh. Nickel (Georg) Möllers, jetzt G. N. Ehrhardts Gut
  • 21.    Männigs (Mengs) Gut
  • 22.    Stötzers Gut
  • 23.    Carls Gut
  • 24.    Heinrich Scherfs Gut
  • 25.    Hanns Enders (Anders) Gut
  • 26.    Wilhelms Gut
  • 27.    Hermann Webers Gut
  • 28.    Brauhaus, Brauhans (Brauhensen) Gut
  • 29.    Peter Erhardts Gut
  • 30.    Windruffs Gut
  • 31.    Claus Walthers Gut.

1804 – Die Gemeinde kauft ein Stück Pfarrgarten zur Vergrößerung des Gemeindekellers.

Der Pfarrgarten befand sich links vom heutigen Fröbelhaus (damals Pfarrhaus) und reichte demnach bis etwa zur heutigen Gasse. Der Gemeindekeller war aber (links neben dem Fröbelhaus) nicht das folgende, sondern erst das übernächste Gebäude (etwa an Stelle des heutigen AWO-Seniorenheims). Auf dem Gemeindekeller war ein Tanzsaal aufgebaut. Zwischen Gemeindekeller mit Tanzsaal und Fröbelhaus (heute unbebaut) gab es noch ein weiteres Gebäude, das als „Remise“ oder „Marktbuden-Remise“ erwähnt wird. Links neben dem Gemeindekeller (früher HO Elektrowaren, jetzt Allianz-Agentur) befand sich damals die Mädchenschule.

1805 – Eine Familientragödie, bei der der Oberweißbacher Pfarrer Nöckel zum Beichtvater wird, ereignet sich in der Nacht vom 29. zum 30. Juni 1805 auf dem Drahthammer im Friedrichsgrund bei Geiersthal (heute Lichte). Dort werden in dieser Nacht der Drahtmeister Lindauer, seine Frau und deren 8-jährige Tochter ermordet. Der Vater hat 19 Wunden, die Frau 17 und das kleine Mädchen 24. Die Frau hat außerdem eine Schussverletzung.

Am 5. August erscheint die Ehefrau des Drahtmeisters Tressler aus Deesbach bei Pfarrer Nöckel und gesteht, dass ihr Mann gemeinsam mit dem Deesbacher Schneider Caspar Eckhardt die grausamen Morde begangen hat.

Die beiden Verdächtigen, welche zu dieser Zeit bereits wegen Wilddieberei in der Fronfeste (Gefängnis) zu Königsee einsitzen, gestehen. Offenbar haben sie noch viel mehr auf dem Kerbholz, denn anschließend werden sie durch Oberweißbach geführt, um jene geheimen Plätze anzuzeigen, wo sie weiteres Raub- und Diebesgut versteckt haben.

Am 15. Mai 1807 werden die beiden Raubmörder in Königsee mit dem Schwert hingerichtet. Tressler ist erst 25, Eckhardt 33 Jahre alt. Der ermordete Drahtmeister Lindauer war 17 Jahre Pächter des Drahthammers und zum Zeitpunkt seines Todes 62 Jahre alt. Seine Frau war 32 und die Tochter 8 oder 9 Jahre alt (widersprüchliche Angaben).

Ein weiteres Drama ereignet sich im gleichen Jahr in Leibis: Dort erschießt „der junge Henkel, welcher Erdäpfel bemachte“ am 18. September einen fremden Hammerschmidt. Der kommt dem Vernehmen nach aus Wiesenthal in Sachsen und will in Leibis übernachten. Das Motiv der Tat bleibt unklar.

Der Ermordete wird in Oberweißbach begraben, der Mörder kommt ins Zuchthaus nach Schwarzburg, kann seine Haftzeit aber verkürzen, indem er sich zum Militär meldet. Er nimmt an einem Feldzug gegen die Österreicher teil, heiratet später in Mellenbach, arbeitet in Obstfelderschmiede und stirbt am 8. Dezember 1831, nachdem er tags zuvor von einem Pferd in den Unterleib getreten worden war.

1806 – leben in Oberweißbach laut Berthold Sigismund 29 Laboranten und 604 Olitätenhändler.

Bei einem Gefecht nahe Saalfeld am 10. Oktober zwischen den Preußen und Sachsen auf der einen und den Franzosen auf der anderen Seite fällt der preußische Prinz Ferdinand durch mehrere Kugeln. Vier Tage später verlieren die Preußen die Schlacht bei Jena und Auerstedt.

1809 – Am 28. Februar abends 10:00 Uhr brennen in Wittgendorf 4 Wohnhäuser, 3 Scheunen und einige Nebengebäude ab. Der Oberweißbacher Schultheiß Daniel Holzhey eilt mit 28 Mann zur Rettung und Löschhilfe dorthin.

Im März marschieren französische Truppen aus Preußen nach Österreich. Oberweißbach hat zwar keine Einquartierung, dafür leidet die Gegend um Rudolstadt umso mehr darunter.

Im Juli und August herrscht die Klauenseuche unter dem Rindvieh.

1810 – In 231 Häusern leben 1.381 Einwohner.

Am 11. September ertrinkt ein 5-jähriger Junge (Gottlieb Wiegands Knabe) in einer Flachsröste (Reese, Röste) unweit der Schuläcker.

1811 – Am 30. Mai mittags 11:00 Uhr brennen in Oberhammer (heute zu Katzhütte) 22 Gebäude ab.

Am 12. September kommt es beim Bäcker Wilhelm „neben der Knabenschule“ zu einem Schornsteinbrand, der aber glimpflich ausgeht und sofort gelöscht werden kann.

Am 13. Oktober fallen dem Feuerteufel in Böhlscheiben zahlreiche Wohnhäuser nebst Scheunen zum Opfer. Nur die Kirche, das Brau- und das Hirtenhaus werden verschont. Aus Oberweißbach sind 4 Mann zur Hilfe geschickt worden.

Am 18. November werden auf dem Hügel „bei Johann Günther Rosenbaums Wohnhaus“ 12 Eschenbäume und etliche Ahornbäume gepflanzt.

1811 – Der Sommer 1811 ist extrem heiß, trocken und trotzdem fruchtbar. Schon Anfang Juli ist das Getreide reif.

Zudem erscheint ein großer Komet am Himmel (C/1811 F1 –Komet „Flaugergues“, benannt nach Honoré Flaugergues, geb. 16. Mai 1755 in Viviers, gest. 20. November 1830).

1812 – Am 3. November wird der Tanzsaal auf dem „neuen Gasthofkeller“ gerichtet. Der Bau kostet 555 Reichstaler und 20 Groschen.

1814 – Erneut ereignet sich ein grausiges Unglück: Am 8. Januar erschlägt der erst 9-jährige Heinze aus Cursdorf die 4-jährige Tochter des Oberförsters Worm mit der Axt. Das von der Magd mit einer Schürze „vermummte“ Mädchen soll dem Jungen wohl einen Schrecken einjagen. Ein Kinderscherz – doch mit katastrophalen Folgen. Der Knabe, der gerade Holz hackt, erschreckt sich dermaßen, dass er sich mit der Axt gegen das vermeintliche „Gespenst“ wehrt und der Kleinen regelrecht den Schädel spaltet. Der Junge erhält „bloß Schulstrafe“, dürfte das Geschehen aber wohl niemals vergessen haben.

Am 13. April trifft die Nachricht ein, dass Russen, Preußen und Österreicher Paris eingenommen haben. Auf dem Marktplatz singen die Menschen „Nun danket alle Gott …“ Diakon Meyer hält eine Dankesrede unter freiem Himmel.

Drei Monate später, am 13. Juli muss Oberweißbach 1.645 Pfund Rindfleisch und 5 Eimer Brandwein zur Versorgung der durchziehenden Truppen nach Herschdorf, Dröbischau, Egelsdorf und andere Orte liefern. Oberweißbach selbst wurde von „nur“ 62 Wagen mit 147 Pferden passiert.

1815 – Noch einmal wendet sich das Kriegsglück zugunsten der Franzosen. Es beginnt die sogenannte „Herrschaft der 100 Tage“, ein letztes Aufbäumen Napoleons, der nach seiner Flucht von der Insel Elba und einem Gewaltmarsch mit rund 1.000 Mann am 20. März (nicht am 3. März, wie Kiesewetter meint) erneut in Paris einzieht.

Das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt muss 27.000 Reichstaler „für Ration und Portion“ nach Schweinfurt zahlen, was erneute Kriegslasten auch für Oberweißbach bedeutet.

Nach der Schlacht von Waterloo jedoch dankt Napoleon am 22. Juni 1815 ab, wird nach St. Helena verbannt und stirbt dort 1821.

1816 – Jahr ohne Sommer

Im Januar fällt sehr viel Schnee, so dass der Weg auf dem Hügel ein Stück weit unter dem Schnee hindurch befahrbar gemacht werden muss.

Im gesamten Jahr 1816 kommt es in Folge anhaltenden Regenwetters mit vielen Gewittern und Überschwemmungen zu einer Missernte; die Getreidepreise steigen teilweise auf das Dreifache.

Wieder nur ein kurzer Eintrag, doch was steckt dahinter?

1816 wird auch das „Jahr ohne Sommer“ genannt. Es ist sowohl im Nordosten Amerikas als auch im Westen und Süden Europas ungewöhnlich kalt und nass. Überall kommt es zu Missernten und extremen Preissteigerungen. Die Ursache: Im April 1815 bricht der indonesische Vulkan Tambora aus – ein Naturereignis mit globalen Folgen. 150 km3 Asche, Staub und Schwefelverbindungen werden in die Atmosphäre geschleudert, bilden einen globalen Schleier und bewirken bis 1819 eine weltweite Abkühlung des Klimas (vulkanischer Winter). Die schöne Seite: Die Verschmutzung der Atmosphäre führt zu einer Veränderung des Lichtes – Sonnenuntergänge von nie gesehener Schönheit, deren Spektrum von tiefem Rot über Orange, Violett, ja sogar Blau und Grün reicht, faszinieren die Menschen. Dabei sind sie die Boten einer globalen Katastrophe, einer Katastrophe, die uns jederzeit wieder treffen könnte …


Johann Thomas Stettner (1785-1872)
Zinnmedaille zur Hungersnot 1816717

Am 1. Januar wird in Oberweißbach nach dem endgültigen Sieg über Napoleon ein Friedensfest gefeiert, an dem auch aus Frankreich zurückkehrende und hier durchmarschierende Russen teilnehmen. Es folgen noch mehrere Wochen lang Durchmärsche und Einquartierungen.

Im gleichen Jahr wird für 400 Reichstaler und 16 Groschen eine neue Feuerspritze angeschafft. Die alte Spritze wird für 100 Reichstaler in Zahlung gegeben.

Zum Jahresschluss 1816 hat Oberweißbach 1436 Einwohner.

1817 – Am 27. Februar wird die neue „Schlangenspritze“, eigentlich Schlauchspritze, geliefert und am 28. unter Schneegestöber ausprobiert.

Hergestellt wurde die Spritze vom Glockengießer Meyer in Rudolstadt, der auch die alte Spritze in Zahlung nimmt, welche – laut dem Chronisten Kiesewetter – 1637 hergestellt worden sein soll. Wenn diese Angabe stimmt, dann handelt es sich hier um eine kleine Sensation. Tatsächlich nämlich hat es um diese Zeit (1637) Feuerlöschgeräte in Form eines Bottichs gegeben, aus dem über ein festes Strahlrohr Wasser zum Brandherd befördert wurde. Solche Geräte fanden vorwiegend in größeren, wohlhabenden Städten Verwendung. Die allgemein bekannten fahrbaren oder tragbaren (Abprotz-) Spritzen mit Schläuchen wurden erst seit etwa 1740 gefertigt (abprotzen = abnehmen, die Spritze kann vom Fahrgestell abgenommen werden). Ich vermute aber hinter der Jahreszahl 1637 eher einen Übertragungsfehler.

Am 3. September explodiert die Pulvermühle in Bad Blankenburg. Die Wucht von 36 Zentnern Pulver zerfetzt zwei Menschen, deren „Glieder und Knochen“ später in Bäumen und auf Feldern verstreut gefunden und in Wannen eingesammelt werden. Fünf Menschen werden schwer verletzt. 28 Scheunen samt darin gelagerter Ernte brennen ab. Die ungeheure Explosion wird auch in Oberweißbach wahrgenommen.

Nach der Missernte 1816 herrscht unter den Armen noch immer große Not. „Commerziencommissär“ Schönau lässt deshalb in Oberweißbach die sogenannte Rumford-Suppe kochen, ein wenig schmackhafter, aber nahrhafter Brei aus Graupen und getrockneten Erbsen, benannt nach Reichsgraf von Rumford (eigentlich: Sir Benjamin Thompson, 1753 – 1814).. Im Monat Februar werden 840, im März sogar 3.777 Portionen ausgegeben. Wer Geld hat, zahlt 5 Groschen. Weiter schreibt Kiesewetter:

„Der Verdienst der Armen und Tagelöhner war gering und viele wohlhabende Familien wurden durch diese Teuerung ruiniert. Sie sahen sich genötigt, alles Entbehrliche, endlich aber das nötigste im Hause zu verkaufen und so sanken auch diese zur Klasse der Armen herab, welche sich die Rumfordische Suppe recht wohl schmecken ließen. Ob nun wohl niemand groß den Hungertod starb, so schlichen doch erstaunlich viele Menschen wie Schatten herum, kurz das Elend war groß. In anderen Gegenden aber starben sehr viele Menschen Hungers.“

1819 – Am „Tag der unschuldigen Kinder“ (28. Dezember) kommt es in Oberweißbach zu Tumulten, nachdem sich mehrere junge Burschen und Männer ohne Erlaubnis Zutritt zu einer geschlossenen Gesellschaft im Gemeindegasthof verschafft haben, um dort „ein Vergnügen zu machen“. Als die Gesellschaftsmitglieder versuchen, die Eindringlinge mit Gewalt hinaus zu befördern, kommt es zu einer Schlägerei, bei der Stuhlbeine und allerlei andere Waffen zum Einsatz kommen. Die Eindringlinge bekommen immer mehr Zulauf, nehmen den herbeigerufenen „Defensionern“ (Verteidigern, Polizisten) schließlich sogar die Gewehre ab und schließen die „geschlossene Gesellschaft“ nun ihrerseits ein, belagern den Gasthof, lassen niemanden heraus und weder Lebensmittel noch Bier oder Wasser hinein.

Nun beginnen die Weiber, deren Männer eingeschlossen sind, ein Klagegeschrei.

Die Belagerung dauert die ganze Nacht und den nächsten Tag bis zum Nachmittag.

Die Strafe lässt nicht lange auf sich warten: Eine Fürstliche Amtskommission bereitet der Sache offenbar allein durch ihr Erscheinen und ihre Autorität ein schnelles Ende – und zieht nicht nur die Belagerer, sondern auch Gaffer und hinzugelaufene Neugierige zur Rechenschaft. Die Strafen belaufen sich auf Geldbeträge zwischen 2 und 20 Reichstalern, mitunter sogar noch mehr. Dazu werden Gefängnisstrafen zwischen 1 Tag und 1 Monat verhängt – vor allem gegen diejenigen, die durch den Ruf „Ans Gewehr!“ aufgefallen waren.

1820 – In diesem Jahr wird die neue Malzdarre (Erklärung siehe 1748) zum Gemeindegasthof erbaut. Sie kostet die Gemeinde 624 Reichstaler, 13 Groschen und 10 Pfennige.

1821 – Ein skurriles Unglück ereignet sich am 12. Dezember gegen Mitternacht, als der Brauer Joseph Ulrich beim Bierbrauen für den Gastwirt Franke in die Braupfanne fällt und einige Stunden später stirbt. „Es war vom Donnerstag auf den Bußtag“ vermerkt der Chronist Kiesewetter. Was mag er damit andeuten?

Gottlieb Koch erhält die Konzession für seinen Gasthof „Zum goldenen Anker“. Am 25. Mai hängt er sein Schild aus.

 

"Goldener Anker" (um 1925?)

1822 – Die Chaussee von Cursdorf nach Fischbachwiese wird gebaut.

Am 10. November kauft die Gemeinde Lichtenhain den alten Kirchturm samt Uhr und Glocke für 70 Reichstaler. Damit steht jetzt nur noch das Schiff der alten Kirche am Friedhof. Möglicherweise handelt es sich beim Torhaus um einen Rest des alten Turms.

1823 – Am Nachmittag des 5. August brennen in der Königseer Schulgasse 3 Häuser ab. Die untere Oberweißbacher Spritze samt Mannschaft trifft dort am nächsten Morgen gegen halb acht ein und leistet dort bis zum nächsten Tag Hilfe. Der „Hochedle Stadtrat“ in Königsee verköstigt die Helfer im Gasthof „Zum Engel“.

Einwohnerzahl 1823 =1454.

1824 – Zu Johannis, am 24. Juni fällt Schnee – und zwar so viel, dass alles Gras davon bedeckt ist und der Oberförster Kämpf in Neuhaus mit dem Schlitten nach Igelshieb fahren kann.

Einwohnerzahl 1824 = 1483.

1825 – Am 2. August rückt eine der Oberweißbacher Spritzen mit Schultheiß und Mannschaft (16 Mann) zu einem Großbrand nach Gillersdorf aus. Dort brennen 52 Wohnhäuser, die Kirche, die Pfarrwohnung und zahlreiche Scheunen.

Im gleichen Jahr wird das Oberweißbacher Brauhaus (damals in der Mitte des Marktplatzes gelegen) massiv gebaut und am 3. September gerichtet. Es kostet die Gemeinde 703 Reichstaler, 9 Groschen und 5 Pfennige.

Einwohnerzahl 1825 = 1489.

1826 – Am Nachmittag des 13. Juni lassen heftige Gewitter und starker Regen den Weißbach derart anschwellen, dass fast alle Brücken und Tränken fortgerissen werden. Wege und Felder, besonders am Kirchberg und am Tännig, werden stark beschädigt. Nicht besser sieht es in Deesbach aus; Cursdorf und Lichtenhain hingegen verzeichnen nur geringe Schäden.

In Unterweißbach kommt es zu einer Tragödie: Während die Schulkinder noch in der Schule sind, bricht das Wasser von hinten ins Gebäude ein. Die Kinder versuchen, sich unters Dach zu retten. Dann wird die Vorderwand des Schulhauses vom immer weiter ins Haus strömenden Wasser nach draußen gedrückt; die Schule stürzt ein. Neun Mädchen und der Sohn des Pfarrers kommen in den Fluten um. Tragisch: Der kleine Junge ertrinkt nur deshalb, weil er, obwohl schon außer Gefahr, in die Schule zurückgelaufen war, um ein vergessenes Buch zu holen.

Die Leiche des Jungen wird in Sitzendorf gefunden; einige Mädchen entlang der Schwarza bis nach Bad Blankenburg. Das letzte Opfer wird vom Wasser bis zur Papiermühle in Bad Blankenburg mitgerissen und erst 8 Tage später gefunden.

Am 2. September früh halb 1 Uhr brennen in Königsee abermals 10 Häuser und viele Nebengebäude. Obwohl kein Feuerläufer in Oberweißbach ankam, rückte die untere Spritze samt Schultheiß und Mannschaft nach dort aus. Vermutlich hat jemand den Feuerschein gesehen und Alarm geschlagen.

Einwohnerzahl 1826 = 1561.

1827 – Im Sommer dieses Jahres wird der Weg auf der Burg ausgebessert und der Bach mit einer Mauer und einem Geländer versehen.

Am 7. Mai wird eine junge Frau, Peter Ehrhardts Tochter, ertrunken im Teich gefunden. Sie hat sich wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft das Leben genommen. Wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft? Oder wegen einigen ihrer Zeitgenossen, die sie dafür verachten? Die Gemeinde muss für das Begräbnis aufkommen, wobei anzumerken ist, dass „Selbstmörder“ meist irgendwo an einer unauffälligen Stelle an der Friedhofsmauer verscharrt wurden.

Im Sommer herrscht unter dem Rindvieh – wie schon 1809 – wieder die Klauenseuche oder Mundfäule.

Einwohnerzahl 1827 = 1563.

Einwohnerzahl 1828 = 1549.

1829 – Am 7. April schlägt ein Blitz – ohne zu zünden – in die Kirche ein. Der Schaden ist immens: Der Turm wird von oben herab sowohl auf der oberen als auch der unteren Seite beschädigt. In der Kirche fährt der Blitz auf der Lichtenhainer Seite bis hinter die Kanzel und zerstört vor allem die Goldverzierungen. Auf der anderen Seite pflanzt sich die zerstörerische Energie über die Orgel nach unten fort. Die Orgel selbst wird nicht beschädigt, jedoch die mittlere darunterliegende Säule bis zum Boden vollkommen zerschmettert. Zwei weitere Teile des Blitzes treffen die Kirchmauer von der Seite und unterhalb der Turmuhr. 588 Fensterscheiben gehen zu Bruch.

Möglicherweise der gleiche Blitz trifft auch die Kirche in Meuselbach, richtet dort aber nur wenig Schaden an.

Die Lichtenhainer Einwohner stellen 1829 einen Lehrer für ihre Schulkinder an – Ludwig Röhner, den Sohn des Kantors.

Der Winter 1829/30 ist sehr streng; es herrscht Frost von Oktober bis März. Die Kartoffelernte kann gerade noch rechtzeitig eingebracht werden.

Einwohnerzahl 1829 = 1518.

1830 – Am 1. April wird erstmals ein Jahrmarkt abgehalten.

Am 22. November gegen 22:00 Uhr brennen in Königsee „vor dem Schwarzburger Tore“ 38 Scheuern ab. Feldfrüchte, Futter und Holz werden vernichtet. Man vermutet, dass ein Brandstifter sein Unwesen treibt.

Die Oberweißbacher obere Spritze samt Mannschaft kommt, obwohl sie sehr schnell ist, zu spät, um noch nennenswerte Löschhilfe leisten zu können. Die verunglückten erhalten von hier 2 Fuder Heu und 1 ½ Schock Stroh. Den Fuhrlohn übernimmt die Gemeinde.

Einwohnerzahl 1830 = 1585.

1831 – Am 7. Januar sieht man hier abends bei nicht sehr kalter, aber reiner Luft, ein großes Nordlicht. Die Erscheinung dauert bis Mitternacht und wird nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in Italien und Frankreich gesehen – und sie führt kurz darauf zu einer fatalen Fehleinschätzung!

Etwa zwei Wochen später nämlich, am 23. Januar, sonntagabends 7 Uhr brennen in Königsee abermals 39 Scheunen samt eingelagerten Früchten, Futter, Holz und den im November 1830 erhaltenen Unterstützungen ab. Starker Wind begünstigt den Brand. Zu allem Unglück kommt in Oberweißbach offenbar wieder kein Feuerläufer an. Man sieht zwar den Lichtschein, hält ihn aber – wie am 7. Januar – für ein Nordlicht. Anders als damals ist die Barigauer Höhe diesmal aber in Nebel gehüllt, wodurch ein seltsamer Leuchteffekt entstanden sein mag.

Diesmal erhalten die Abgebrannten keine Naturalien, sondern 3 Friedrichs’dor – Goldmünzen also, die keinen aufgeprägten Nennwert haben, sondern entsprechend ihrem Goldgehalt (hier 21 Karat, also 21/24, Feingewicht 6,032 g) in die jeweilige Landeswährung umgerechnet werden. 1 Fdor entspricht 5 silbernen preußischen Reichstalern.

1831 wird mit dem Bau des Amtshauses am Markt begonnen, nachdem Fürst Friedrich Günther bereits 1829 einer Teilung des AmtesSchwarzburg in die neuen Ämter Königsee und Oberweißbach zugestimmt hat. Die Gemeinde zahlt hierzu 3.300 Reichtaler in preußischen Talern zu 26 Groschen. Jeder Einwohner muss 2 Tage Frondienst leisten und wer ein Geschirr hat, muss unentgeltlich Steine anfahren.

Bemerkenswert: An die Genehmigung des Fürsten ist die Bedingung geknüpft, dass das „Walther’sche Haus“ über dem neuen Gasthofskeller, welches mit besagten 3.300 Reichstalern von der Gemeinde gekauft wird, zu einer „guten Mädchenschule“ umgebaut wird. Dieses Haus ist vermutlich das übernächste Haus links neben dem Fröbelhaus, was auch mit einer aus dem Jahre 1857 stammenden Zeichnung des Marktplatzes übereinstimmt. Es gehört dem Drechslermeister Michael Walther, der es nun an die Gemeinde verkauft, im Gegenzug für 100 Reichstaler das Vorgängergebäude des späteren Amtshauses (alte Mädchenschule) kauft, abbricht und sich von dem Baumaterial ein Haus auf der Burg baut.

Am 22. Mai 1831, dem ersten Pfingstfeiertag früh halb zwei Uhr brennt die dem Gemeinde-Ältesten, Laborant Wilhelm gehörige und erst 1823 errichtete Kegelbahn ab. Sie befindet sich zu dieser Zeit nahe der Kirche, vermutlich auf dem Grundstück hinter dem heutigen Gasthof „Zur Schenke“. Schnell ist klar, dass es sich um Brandstiftung handelt. Es werden Drohbriefe gefunden und selbst die Brandbekämpfung wird offenbar sabotiert, indem der Feuerläufer Mäder „es nicht für nötig gehalten“ hat, die Cursdorfer Spritzenmannschaft zu alarmieren. So kommen aus den benachbarten Orten nur die Lichtenhainer Spritze mit Mannschaft sowie einige Mann aus Deesbach, Unterweißbach und Meuselbach zu Hilfe.

Die Hintergründe der Brandstiftung: Gerüchte!

Durch Fürstlichen Regierungs-Beschlusses vom 19. August 1830 war zur Überwachung und Organisation des Amtshausbaues eine Kommission berufen worden, bestehend aus dem „Commercien-Commissär“ Schönau, dem Schultheiß Johann Gottfried Kiesewetter und dem oben schon erwähnten nunmehrigen Brandgeschädigten und Gemeinde-Ältesten Laborant Nikolaus Wilhelm. Die drei werden im Drohbrief als „Generalspitzbuben“ bezeichnet, weil sie – Gerüchten zufolge – für ihre Amtstätigkeit 300 Reichstaler erhalten, während die Einwohner Frondienste leisten müssen.

Obwohl die Anschuldigungen unzutreffend sind, tritt die Kommission daraufhin am 2. Juni zurück und wird durch andere Personen ersetzt.

Vom 11. bis 13. Juli wird das Amtshaus unter Aufsicht des Zimmerermeisters Nothnagel aus Königsee aufgerichtet.

Am 19. September wird die Kirche durch Schieferdecker Conradi aus Oberweißbach mit einem Blitzableiter versehen.

Am 20. und 21. September wird unter Aufsicht von Zimmerermeister Eisenhut aus Herschdorf die Fronfeste (Gefängnis) hinter dem Amtshaus aufgerichtet.

Im Oktober lässt Laborant Wilhelm seine Kegelbahn wiederaufbauen und zugleich vergrößern.

Außer einer regen Bautätigkeit gibt es 1831 noch weitere Ereignisse zu berichten:

Am 7. September wird das Schwarzbacken durch die Gemeinde für 16 Reichstaler und 2 Groschen an Jacob Eberhardt verpachtet. Früher gaben die drei damals in Oberweißbach ansässigen Bäcker je 12 Groschen. Obwohl z. B. in Preußen schon um 1750 aufgehoben, gab es hierzulande offenbar immer noch getrennte Innungen der Schwarz- und der Weißbäcker. Schwarzbäcker backten hauptsächlich Roggenbrot, Weißbäcker hingegen Weizenbrot und Brötchen. 

Vom 24. bis 26. September kann man in hiesiger Gegend wie auch in ganz Deutschland und weiten Teilen Europas eine außergewöhnliche Wettererscheinung beobachten: Drei Tage lang ist der Himmel nach Sonnenuntergang feurig rot.

Überhaupt ist dieses Jahr, so berichtet der Chronist Kiesewetter, reich an merkwürdigen Naturereignissen und Erscheinungen.

Frühling und Sommer sind eher kühl, heiße Tage gibt es gar nicht. Trotzdem gibt es eine gute Ernte, die zudem früher als sonst eingefahren wird. Die Monate August bis Oktober sind so schön, dass im Oktober sogar die Heidelbeeren zum zweiten Mal reifen und von den armen Leuten fast mehr davon gesammelt werden als im Sommer. Selbst die ältesten Einwohner können sich eines solchen Spätsommers nicht erinnern.

In der Nacht vom 25. zum 26. November 1831 schneidet sich der 28-jährige, schon längere Zeit „geisteskranke“ Uhrmacher Gotthilf Eckardt aus Oberweißbach bei seinem Vetter Gregorius Schneider in Deesbach mit einem Barbiermesser „den Hals ab“. Als Selbstmörder wird er am 29. November an einer abgelegenen Stelle des Friedhofes beerdigt.

Am Abend des 29. November nach 9 Uhr wird in Oberweißbach ein heftiger Erdstoß verspürt. Das nachfolgende Beben dauert etwa eine halbe Minute an und wird von Donner und einem eigenartigen Getöse begleitet.

Seit dem 25. November hatte in Oberweißbach Nebel geherrscht, welcher unmittelbar vor dem Erdstoß am 29. verschwand. Am 26. und 27. November waren etwa 6 Zoll (ca. 15 cm) Schnee gefallen.

Das Epizentrum des Bebens lag nach v. Hoff im Bereich der Werraquelle. Es erfolgten 3 Stöße in etwa 6 Sekunden, „von denen nur der zweite von Getöse begleitet war“. Die Werra führte Hochwasser. Wildwächter wollen während des Bebens eine Feuerkugel „von der Größe des Mondes“ am Himmel bemerkt haben, die westwärts Richtung Gleichberge zog. Im Übrigen bestätigt v. Hoff die Oberweißbacher Beobachtungen auffallend exakt.

Am 13. Dezember 1831 abends nach 6 Uhr bricht in Allersdorf durch Unvorsichtigkeit beim Backen Feuer aus. 5 Wohnhäuser und 12 Scheuern brennen nieder. Die obere Oberweißbacher Spritze samt Mannschaft eilt zu Hilfe, kommt aber wegen der großen Entfernung zu spät. Außerdem fehlt es vor Ort an Löschwasser. Morgens 3 Uhr ist die Spritze wieder in Oberweißbach zurück. Die Verunglückten werden mit 18 Reichstalern von hier unterstützt.

Im Herbst sterben in Oberweißbach 2 Menschen – „ein junger Bursch und eine bejahrte Frau“ an der roten Ruhr.

Einwohnerzahl 1831 = 1605.

1832 – Großes „Aufräumen“ an der Spitze der Gemeinde: Nach dem Rücktritt des Gemeinde-Ältesten Wilhelm 1831 und dem Tod eines weiteren Ältesten (Liebmann) werden am 16. Januar neu gewählt: Nikolaus Nikolai, Nikolaus Franke und Johann Gottfried Wilhelm (letzterer stirbt jedoch schon am 2. Januar 1833).

Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich der damalige Gemeindediener, Nachtwächter und Holzknecht Valentin Oschmann mehr oder weniger zum „Rücktritt“ gezwungen, da er sich in seinen 11 Dienstjahren viele Feinde erworben habe. Er bleibt jedoch Kirchendiener und Totengräber.

Auf seine Stelle (als Gemeindediener) „drängt sich N. Jacob Walther“. Außerdem werden – nach der Brandstiftung im Vorjahr – zwei Nachtwächter angestellt, kurioserweise wieder Valentin Oschmann und Jacob Franke, „welcher aber des Wachens überdrüssig, gleich zu Anfang dieses 1832 Jahres nach einer Dienstzeit von 7 Monaten abdankte.“

Am 22. Februar kommt Heinrich Fritze „welcher früher in kaiserlich Österreichischen Militärdiensten 11 Jahre in Italien gestanden hatte“ im „Wilde-Holz“ ums Leben, indem ihm von einem Stück Holz der Kopf zerquetscht wird.

Am Donnerstag, den 22. März wird das Amtsgericht eröffnet. Erster Justizamtmann ist Ernst Friedrich Keller, vormaliger erster Aktuar in Königsee.

In Lichtenhain kommt es am Gründonnerstag, den 19. April Mittag zu einem Brand durch „Unvorsichtigkeit beim Schießen“. Dabei soll „der Pfropfen auf ein Schindeldach gefallen sein und dasselbe gezündet haben“. Die Oberweißbacher Spritze rückt aus, wird aber am Galgenhügel wieder zurückgeschickt.

In der Nacht vom 25. zum 26. April nimmt sich des Webers Daniel Lotzes Tochter im „vorderen Teich“ das Leben. Sie hatte oft epileptische Anfälle, was als Ursache für ihren „Todessprung“ angenommen wird.

Einen Monat später, in der Nacht vom 29. zum 30. Mai, macht das Beispiel Schule: Nicolaus Grosser aus Cursdorf, genannt Abraham Claus, springt nach kurzer Geisteskrankheit in den „Floßteich im Apelsbache“, wo er ertrinkt. Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.

Ein Brand bei Peter Wölker (evtl. gegenüber der heutigen Apotheke) am 27. August verläuft glimpflich. Nur eine Ecke seiner Scheune wird beschädigt.

Zwei Tage später, am 29. August, werden in Georg Gotthilf Möllers Scheune Spuren einer versuchten Brandstiftung gefunden. Jemand hat dort Papier, Feuerschwamm und „einige Fäden Schwefel“ durch eine Spalte eingeschoben und angezündet. Das Feuer erstickte jedoch von selbst.

Glück hat auch Schultheiß Kiesewetter, der, alarmiert durch den Fund, seine eigene Scheune überprüft und ebenfalls eine misslungene Brandstiftung feststellt.

Die Ernte 1832 fällt ausgesprochen gut aus, obwohl Fröste bis in den Mai hinein anderes befürchten ließen.

Im selben Jahr werden auch wieder neue Zifferblätter am Kirchturm angebracht.

Im September grassiert der Ziegenpeter unter den Oberweißbacher Kindern. Kurze Zeit später folgte eine Fleckfieber- oder Masern-Epidemie. Die Schulen bleiben im November und Dezember geschlossen. In Oberweißbach stirbt ein Mädchen, in Meuselbach finden 30 bis 40 Kinder den Tod.

Einwohnerzahl 1832 = 1568.

1833 – Im Februar treten in Deesbach die Blattern auf, woran mehrere Menschen sterben. Offenbar ohne Tote verlief die Krankheit in Oberweißbach.

Zur falschen Zeit am falschen Ort will in der Nacht zum 19. Februar (Fastnacht) Gottlob Bock (genannt Fritschen Gottlob) aus Deesbach seinen Rausch ausschlafen. Am Morgen wird er erfroren in der Nähe der alten Kirche „auf dem Pfarrfelde“ gefunden. Zwar lag nur wenig Schnee, doch herrschte Frost „nur einige Grade unter null“

Nur wenige Tage später, in der Nacht vom 7. zum 8. März erfriert ein Meuselbacher Mann namens Lichtenheldt unweit der „Cursdorfer Treibenhäuser“. Zu dieser Zeit herrschen „10 – 14 Grad Kälte“.

10 bis 14 Grad Kälte, alles klar. Oder doch nicht?

Noch einmal: °R oder °C? 

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts werden Temperaturen nämlich oftmals nicht in °C (Grad Celsius), sondern in °R (Grad Réaumur) ermittelt und aufgezeichnet. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind hierzulande in den Haushalten Thermometer im Einsatz, die auf einer Seite °R und auf der anderen Seite des Quecksilbers °C anzeigen. Dies führt, je weiter man sich vom Nullpunkt (Schmelz- bzw. Gefrierpunkt von Wasser) entfernt, zu erheblichen Abweichungen, denn die Celsius-Skala arbeitet mit 100 Graden bis zum Siedepunkt von Wasser, die Réaumur-Skala dagegen nur mit 80 Grad. -14°R entsprechen demnach etwa -20°C, +30°R ergeben etwa +37°C!

Wior machen uns also völlig falsche Vorstellungen, wenn wir etwa in Elsässers "Kirchspiel Oberweißbach im Wandel des Zeiten" Begriffe wie "Grad Kälte" oder "Grad Wärme" einfach mit °C gleichsetzen.

Auch der Monat April bleibt rau und kalt, so dass die Felder erst im Mai bestellt werden können.

Der „Dumme-Jungen-Streich“ eines eigentlich erwachsenen Mannes kostet am 19. September dem 9-jährigen Friedrich Wilhelm Blechschmidt aus Lichtenhain das Leben. Der Holzmacher Peter von Ende, der zum Holzmachen aus unerklärlichen Gründen sein Perkussions-Gewehr mitgenommen hat, zielt plötzlich aus Spaß auf den Jungen, der seinem Vater das Mittagessen in den Wald bringt. Bei den Worten „Schlösserchen, ich erschieße dich!" geht das Gewehr plötzlich los. Der Junge, Sohn des Schlossermeisters Blechschmidt aus Cursdorf, wird in die Brust getroffen und ist sofort tot.

Der Täter wird zunächst in die Oberweißbacher Fronfeste (Gefängnis), schließlich ins Zucht- und Arbeitshaus nach Rudolstadt gebracht, aber schon am 9. April 1834 wieder entlassen.

Der „Tag der unschuldigen Kinder“ (Tengeltag, 28. Dezember) scheint seit jeher ein Tag zu sein, an welchem es heiß hergeht, so auch 1833. Vielleicht liegt das daran, dass die Kinder nach alter Sitte an diesem Tag die Eltern „tengeln“ (schlagen) dürfen. In Oberweißbach kommt es an diesem Tag zu einem Umzug der (wohl nicht mehr ganz kindlichen) „Burschen“, wofür diese sich verkleiden. Das war wohl auch all die Jahre vorher so. Diesmal jedoch will der Amtmann Keller den Umzug nur gestatten, wenn auf die Verkleidung verzichtet wird. Natürlich hört niemand auf ihn und so werden einige der jungen Männer in Arrest genommen. Nun kommt es zu einem Auflauf: Burschen und Mädchen fordern die Freilassung der Gefangenen, drohen gar, sie mit Gewalt zu befreien. Der Amtmann muss nachgeben und öffnet das Gefängnis gegen das Versprechen, Ruhe und Ordnung zu bewahren.

Doch die Befreiten und ihre inzwischen zahlreich hinzugekommenen „Befreier“ scheren sich nicht um ihr Versprechen und werden noch frecher und dreister als zuvor. Es werden sogar „unerlaubte Reden“ gehalten!

Die Amtsgewalt ist machtlos und lässt die Jugendlichen zunächst gewähren. Am nächsten Tag beginnen Zeugenvernehmungen und am Abend des 31. Dezember marschiert ein Militärkommando mit 22 Mann, Tambour (Trommler), Unteroffizier und Leutnant in Oberweißbach ein. Die Soldaten werden ganz gezielt bei den „Brauseköpfen“ einquartiert, das Hauptquartier beim Laboranten Wilhelm errichtet. Dreimal am Tag ruft der Tambour zur Parade (Antreten), was einigermaßen einschüchternd auf die Halbstarken gewirkt haben dürfte. Das zu erwartende „Nachspiel“ folgt 1834!

1834 – In der Nacht von 1833 bis 1834 richtet ein Sturm große Schäden in den Wäldern an. Die Scheune von Böttchermeister Nicolaus Neubeck wird „übern Haufen geworfen“. Ein zweiter Sturm folgt 14 Tage später, so dass schließlich „über 1.000 Bloche und mehrere Klafter Holz“ aus den umgebrochenen Bäumen aufgeschnitten werden.

Am 7. Januar rückt das zu Silvester in Oberweißbach einmarschierte Militär wieder ab. 2 der Aufrührer vom 28. Dezember werden gleich ins Zucht- und Arbeitshaus nach Rudolstadt mitgenommen, später folgen noch weitere 4. Sie alle verbüßen eine Strafe von 8 bis 26 Tagen, andere wandern für 1 bis 8 Tage in die Oberweißbacher Fronfeste. Außerdem werden die entstandenen Kosten auf die Verursacher aufgeteilt.

Am 1. März wird im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt die Salzregie (Salzregal, fürstliches Handelsmonopol) eingeführt, eine Folge des Beitritts der thüringischen Einzelstaaten zum Deutschen Zollverein. Als Folge wird Salz fortan nicht mehr nach Gemäß (Hohlmaß) 1 Achtel zu 6 – 8 Groschen, sondern nach Gewicht, die Tonne zu 405 Pfund zu 8 preußischen Reichstalern und 8 Groschen gehandelt. Wegen des Monopols hört jeglicher „Klein- und Hausierhandel“ schlagartig auf. Die fürstlich genehmigten Kleinhandlungen (in Oberweißbach waren es vier) verkaufen das Pfund Salz fortan einheitlich für 8 Pfennige.

1 Achtel = 23,409 Liter (Schwarzburg-Rudolstadt), 1 Tonne Salz = 405 Pfund, 1 Pfund = 467,6246 Gramm (Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt) 

Am 4. März brennen in Königsee 11 Wohnhäuser ganz oder teilweise nieder. Man vermutet fahrlässige Brandstiftung durch Unvorsichtigkeit mit offenem Licht beim Füttern. Beim Aufräumen tags darauf wird ein Mann durch eine einstürzende Mauer erschlagen. Ob Oberweißbacher Spritzen und Mannschaften dort waren, ist nicht überliefert.

Am 5. Juli zwischen 6 und 9 Uhr brauen sich über Oberweißbach und den umliegenden Orten schwere Gewitter zusammen. Gegen 9 treffen über unserem Ort zwei Gewitterzellen, aus Nordwesten und Südosten kommend zusammen. Gewaltige Blitze und Donnerschläge, deren zweiter das Kohlenhaus des Schmieds in Deesbach, der dritte aber das „Carlshaus“ auf der Burg trifft, werden von heftigen Regengüssen begleitet.

Sofort steht das Dach, der dort gelagerter Flachs und Heu in Flammen. Dennoch gelingt es den herbeigeeilten Nachbarn, Cursdorfer Einwohnern sowie den Spritzenmannschaften aus Oberweißbach und Cursdorf das Gebäude teilweise zu retten.

Der starke Regen bei fast völliger Windstille erweist sich jetzt als Glücksfall.

Die Cursdorfer kommen mit ihrer Spritze fast zu gleicher Zeit mit der Oberweißbacher unteren Spritze an. Dann kommen die Deesbacher und „ganz spät“ die Lichtenhainer mit Spritzen zu Hilfe. Auch aus Meuselbach, Mellenbach und Böhlen sind Spritzen und Mannschaften unterwegs, können aber zurückgeschickt werden.

Zwei Menschen werden durch den Blitzschlag verletzt: Peter Hampe – er trägt vorübergehende Lähmungen davon – und „ein Frauenzimmer“ namens Elise Schwabe, geb. Neubeck, genannt Böttners Liese. Sie wird am Kopf getroffen, wo der Blitz ein erbsengroßes Loch in Kopftuch und Haare brennt, den Körper der Frau durchfährt und am Unterleib, der stark versengt wird, wieder austritt. Sie erholte sich nur sehr langsam wieder.

Sammlungen in Ober- und Mittelweißbach erbringen insgesamt 40 Reichstaler, die den Abgebrannten zugutekommen. Georg Wallenhauer, dessen Hausdach während des Brandes abgerissen werden muss, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern, erhält von der Gemeinde unentgeltlich 1.000 Schindeln.

Die Cursdörfer erhalten eine Prämie von 7 Reichtalern 12 Groschen Courant (Münzen, deren Nominalwert durch den Wert des Metalls vollständig oder fast vollständig gedeckt ist). 6 Reichstaler geben sie umgehend an die Brandopfer weiter.

Die Deesbacher als zweite auswärtige Hilfsmannschaft vor Ort erhalten 5 Reichstaler Courant, welche sie den Abgebrannten komplett überlassen, und die Lichtenhainer immerhin noch 2 Reichstaler und 12 Groschen Courant, wovon sie ebenfalls den allergrößten Teil den Geschädigten übergeben.

Wie später bekannt wird, hat der Blitz auch in etliche Kartoffeläcker eingeschlagen, so auf dem „Kochhansen-Gut“ nahe dem Gabelweg auf einer Länge und Breite von 30 Schritten. Schließlich wurden noch ein Holunderbusch auf dem Mittelweißbacher Felde und einige Buchen im Rohrbach getroffen.

Im Sommer 1834 beginnt der Bau des Felsenkellers.

Ein makabres „Schauspiel“ zieht am 28. Oktober etwa 40 Menschen aus Oberweißbach nach Saalfeld: Dort wird der Raubmörder Mackedanz aus Saalfeld mit dem Schwert hingerichtet. Drei Jahre zuvor hat er einen Floßboten beraubt und ermordet.

1835 – Wie schnell sich 1835 Nachrichten verbreiten, dazu liefert der Brand von 21 Scheunen in Rudolstadt am 14. Februar abends gegen 18:00 Uhr ein Beispiel. Der Chronist notiert dazu: „Um halb 10 Uhr war schon schriftliche Nachricht hier.“

Am 3. März fällt so viel Schnee, wie den gesamten Winter über nicht.

Am 20. März wird in Anwesenheit des Geheimen Legationsrates von Beulwitz der Bau der Straße von Unterweißbach nach Oberweißbach beschlossen. Die Gemeinde bewilligt dafür 800 Reichstaler. Commercien-Commissair Schönau gibt 100 Reichstaler unter der Bedingung, dass die hiesigen „Mitnachbarn“ (gemeint sind hier vermutlich alle Oberweißbacher Einwohner) auf der Strecke von Unterweißbach bis an die meiningische Grenze bei Fischbachwiese („Pechhütte“) mit allem, was zu ihrem Bedarf nötig ist, auf immer vom Chausseegeld befreit sind. Ob diese Vereinbarung wohl auch heute noch gilt?

Schon 10 Tage später wird unter Aufsicht von Chaussee-Aufseher Linke mit dem Planieren begonnen – und zwar für 1 Reichstaler pro laufende Rute.

1 Rudolstädter Waldrute = 4,5152 m

Am 28. März wird der Weg zur Straße vom Hirtenacker aus nach Mellenbach angelegt.

Am 25. April wird der ansonsten sehr geachtete, aber wohl seit längerer Zeit depressive Jacob Ehrhardt auf dem Hügel „entseelt auf seiner Scheuer gefunden.“ Der erst 30-jährige „hatte seinem traurigen Dasein, seinem angst- und qualvollen Leben (wofür er es hielt) mit einem Strick ein Ende gemacht.“

Ein weiterer Fall von Selbsttötung wird unter dem 24. Mai aus dem „Deesbacher Schieferbruch“ berichtet, wo der 72-jährige J. Michael Götze aus Deesbach (geb. in Cursdorf) ertrunken aufgefunden wird.

Nur eine Woche später, am 31. Mai entdeckt der Oberweißbacher Gottfried Neupert „am Mellenbachsrande hinter der „Tälle“ die schon in Fäulnis übergegangene Leiche der Witwe Anna Margaretha Wölker, die seit 8. April vermisst wird. Der Chronist Kiesewetter vermerkt dazu:

„Ein mit einem jungen bei ihr wohnenden Mann eingegangenes Verhältnis, das fruchtbare Folgen hinterlassen, scheint der Grund zu diesem Ende gewesen zu sein … Der Leichnam wurde in aller Stille auf hiesigen Kirchhofe begraben.“

1835 herrscht großer Wassermangel, besonders in Cursdorf und Lichtenhain. Die meisten Quellen versiegen. Nur der Oberweißbacher „Brauhausbrunnen“ liefert zuverlässig Wasser und so versorgen sich dort auch die Cursdorfer Einwohner. Der Wassermangel dauert bis Mitte Januar 1836.

1836 – Bei einem schweren Sturm an 23. Januar stürzen zwei Scheunen ein, viele Dächer werden beschädigt.

Im Februar Eröffnung des Felsenkellers und der Kegelbahn.

In der Nacht vom 15. Auf den 16. März erfriert am „Pockenhügel“ (?) Nicolaus Bock (Caplan) aus Lichtenhain. Bei starkem Sturm hat er sich auf dem Heimweg verirrt.

Am 16. April belehnt das Fürstlich schwarzburgische Bergamt Könitz die Gemeinde mit dem Recht, auf dem Galgenhügel unter dem Namen „Concordia Kraft“ ein Bergwerk auf Braun- und Eisernsten zu errichten.

Am Sonntag, den 14. August wird ein Kirchendiebstahl bemerkt. Der Gotteskasten, in dem sich etwa 10 Reichtaler befunden haben, ist bestohlen worden. Bald darauf wird der Kirchendieb jedoch in Böhlen auf frischer Tat gestellt und nach Königsee gebracht. Dort gesteht er weitere 14 Diebstähle, sämtliche in verschiedenen Kirchen, so auch in Meura. Der Täter ist ein Mann namens Zienert aus Königsthal bei Gräfenthal – er wird zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.

Am 14. September wird durch den Zimmermann Georg Nicol Appelfeller „das Gemeindegebäude auf dem Felsenkeller bei dem Hirtenacker … aufgerichtet.“

Am 19. September wird Schultheiß N. Eberhard seines Amtes enthoben. Die Gemeindelade wird beschlagnahmt und dem Gemeinde-Ältesten Gürtlermeister Wilhelm zur Verwahrung übergeben. Hintergrund ist offenbar eine Veruntreuung der Einnahmen aus dem Bierpfennig, welche zur Hälfte der Gemeinde und zur anderen Hälfte der Kirche zustehen. Von Eigennutz, Habsucht und Untätigkeit im Amt ist die Rede. Der Chronist notiert: „Es bewährte sich das Sprichwort: Wer andern Gruben gräbt, fällt öfters selbst hinein.“

Am 23. September wird Laborant Nicolaus Liebmann zum Schultheiß gewählt.

1837 – Waren die Nächte früher dunkler? Zumindest gab es keine künstlichen Lichtquellen, sonst wäre die folgende Meldung wohl nie aufgezeichnet worden:

Am 9. Januar, abends gegen 11 Uhr wird in fast nördlicher Richtung ein Feuerschein bemerkt. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass in Teichel 18 Wohnhäuser, 17 Scheunen und viele Ställe abgebrannt sind. Sammlungen und ein Zuschuss der Gemeinde Oberweißbach erbringen eine Unterstützung für die Abgebrannten von 20 Reichstalern.

Am 16. Februar wird das erste Bier in den Felsenkeller getragen und am 13. Mai (Pfingsten) angezapft. Da sich noch kein Pächter für den Felsenkeller gefunden hat, wird durch die Gemeinde zunächst auf eigene Rechnung gebraut und das Maß für 1 Groschen und 4 Kreuzer verkauft. Es handelt sich um ein außerordentlich gutes Bier, wie der Chronist versichert, denn bereits nach 1 ½ Maß finden etliche Zecher den Weg nach Hause nicht mehr. Später gebraute Biere gewinnen an Güte, verlieren aber etwas von ihrer „stürmischen Eigenschaft“.

Am 18. Februar abends ab 7 Uhr bis Mitternacht wird hier sowie auch in Frankreich und Italien ein starkes Nordlicht gesehen.

Ab 16. April wird es noch einmal extrem kalt. Viele Vögel erfrieren. Von Neujahr bis Pfingsten schneit oder regnet es. Mitte Mai liegt der Schnee noch 1 Fuß hoch.

Trotz der Kälte wird am 17. April mit dem Straßenbau von Mittelweißbach bis zum Markt begonnen. Dabei sind täglich 300 bis 500 Menschen auch aus umliegenden Orten beschäftigt. Zugleich wird der Schützenplatz (heute Stadtpark am Kulturhaus) mit Bäumen bepflanzt, was den Unwillen vieler Einwohner hervorruft, weil der Platz bislang als Viehweide diente. Es kommt zu Anfeindungen gegen den Schultheißen, der daraufhin nach Amerika auswandert.

Am 30. Mai schlägt ein Blitz, jedoch ohne zu zünden, in das Haus auf dem Schindanger in Deesbach ein.

1837 wird der Felsenkeller für 62 Reichstaler jährlich an den Gastwirt Tresselt (Dresselt) verpachtet.

1838 – Am 23. Juli beginnt der Straßenbau vom Gemeindegasthof (Markt) bis hinauf zum Schmied Ehle. Die Arbeiten werden nicht „im Tagelohn“, sondern im Accord an den Wenigstnehmenden vergeben, wodurch die Arbeiter nur sehr wenig verdienen, „aber doch einigermaßen entschädigt“ werden.

1838, den 22. August nachmittags gegen 6 Uhr hatten wir ein sehr starkes Gewitter, wobei es vom Kohlenweg herein in Barbara Bock und Nikolaus Jahns Feld, welche mit Kartoffeln bestellt waren, einschlägt.

Drei Orte in unserer weiteren Umgebung, von denen heute nur noch die Namen übriggeblieben sind, werden 1838 aufgegeben und abgebrochen, nachdem sich dort wiederholt allerlei Gesindel herumgetrieben hat: Die Siedlung um die frühere Glashütte Habichtsbach nahe Scheibe-Alsbach, die Schäferei Dissau nahe der ehemaligen Fürstlichen Fasanerie sowie das Gut Sonnenwalde in unmittelbarer Nähe zur Fasanerie. Einige Gebäude des Vorwerkes Sonnenwalde werden im 19. Jahrhundert noch als Futterlager für den dortigen Tiergarten genutzt.

1839 – Am 19. Januar erfriert auf dem Hügel „ohnweit der hiesigen Pechhütte“ ein 23-jähriger namens Renner aus Meuselbach. Wahrscheinlich hatte er in einem heftigen Schneesturm die Orientierung verloren.

Am gleichen Tag kommen auf dem Rückweg von Königsee nach Mellenbach 2 „Brezeljungen“ – Fröbel, 13 Jahre, und Lindenlaub, 11 Jahre alt – ums Leben. Des letzteren Bruder, ein Fuhrmann, hatte die Jungen auf seinem Schlitten mitgenommen, sie unterwegs aber verloren – den einen nahe Herschdorf, den anderen bei Garsitz.

Am 13. März findet zum ersten Male die Militär-Verlosung des Oberweißbacher Amtsbezirkes im hiesigen Gemeindegasthofe statt.

Ab 1. August besteht für Oberweißbach eine Briefpostverbindung zwischen (Groß-) Breitenbach, Oberweißbach und Wallendorf, die jeweils montags und donnerstags früh 6 Uhr von Breitenbach über Oberweißbach nach Wallendorf und nachmittags 2 Uhr von dort zurückfährt. Die „Post-Collection“ befindet sich bei Gürtlermeister Wilhelm, der am 10. August sein Postschild aushängt.

Am 4. Oktober wird der Felsenkeller auf 3 Jahre für eine jährliche Pacht von 125 Reichstalern an Martin Preunel als Beauftragten einer Aktiengesellschaft verpachtet. Zudem wird der Bau eines Brauhauses unweit des Felsenkellers beschlossen. Das Brauhaus wird im Jahre 1840 fertiggestellt.

Im März bricht in Oberweißbach „in der Nähe der Malzdarren“ das Fleckfieber aus, das der Chronist Kiesewetter hier auch als „Nervenfieber“ bezeichnet. Was gemeint ist, bleibt unklar, weil damals mehrere, erst später als eigenständige Krankheiten erkannte Symptome als „Fleckfieber“ bezeichnet werden. Es könnte sich demnach auch um Typhus gehandelt haben, was aber nicht so recht zum Begriff „Nervenfieber“ passt. Der Chronist schreibt weiter: „Nicht selten lagen in einem Hause 6 bis 8 und mehre Menschen darnieder, jedoch starben nur wenige.“

Im November und Dezember fordert die Krankheit in Deesbach und Cursdorf mehrere Todesopfer.

Zugleich herrscht unter den Kindern der Keuchhusten „auf eine auffallende Art“ sowie eine den Masern ähnliche Krankheit, so dass die Schule in Cursdorf geschlossen wird.

Viehbestand 1838/39: 237 Rinder, 41 Schafe, 14 Pferde, 213 Schweine, 252 Ziegen.

1840 – Auf dem Heimweg von Rudolstadt nach Lichtenhain erfriert in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar der Maurer Georg N. Stieler nur wenige hundert Meter vor seinem Heimatort.

Genau 200 Jahre, nachdem die alte Kirche auf dem Friedhof im 30-jährigen Krieg eingeäschert wurde, beginnt am 28. Januar 1840 ihr Abriss, um Platz für weitere Gräber zu schaffen. Abriss und Aufräumarbeiten erledigt Pfarrer Mohr selbst für 300 Reichstaler aus dem Kirchenetat, da sich für einen geringeren Betrag niemand bereitfindet, die nötigen Arbeiten zu besorgen.

Die Arbeiten gehen unerwartet schnell voran, weil das alte Gemäuer nur mit Lehm und an wenigen Stellen mit Kalk verfestigt worden war. Der Bauschutt wird auf dem Pfarrgarten neben dem Friedhof (hinter dem heutigen Fröbelmuseum bzw. dem heutigen AWO-Seniorenheim) untergebracht und eingeebnet.Unerfüllt bleiben alle Erwartungen, einen Grundstein und darin evtl. Dokumente, Nachrichten oder Münzen aus der Zeit vor dem großen Brand 1640 zu finden.

Am Morgen des 26. April (Ostern) wird der taube Leineweber Meister Johann Georg Fröbel in seiner Scheune erhängt aufgefunden. Er war seit einiger Zeit „geisteskrank“ und hat sich wohl selbst das Leben genommen.

Am 10. August wird das Brauhaus am Felsenkeller gerichtet und bereits am 15. werden ein Konzert und der erste Ball veranstaltet, wobei alle Honoratioren zugegen sind.

Am 2. Oktober findet in Oberweißbach der erste Viehmarkt statt. Künftig sollen jährlich zwei solche Märkte abgehalten werden.

Am 4. November stirbt Commercien-Commissär Schönau im Alter von 72 Jahren, nachdem er im gleichen Jahr am 14. Februar seine goldene Hochzeit gefeiert hatte. Schönau erscheint in der Oberweißbacher Chronik immer wieder als engagierter, vor allem in Notzeiten gerne und großzügig helfender Mäzen. Seine Frau stirbt am 7. Januar 1847 im Alter von 76 Jahren.

1841 – Am 1. Januar tritt das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (Oberherrschaft) dem Süddeutschen Münzverein bei. Mit dem zugrundeliegenden Münchner Münzvertrag harmonisieren die süd- und mitteldeutschen Staaten ihre Münzsysteme. Als Münzgrundgewicht wird die Kölner Mark mit 233,855 Gramm Feinsilber = 24 ½ Gulden, 1 Gulden = 60 Kreuzer, festgelegt.

Am 9. September wird in Oberweißbach nach fürstlicher Genehmigung der erste Wochenmarkt abgehalten und – mit Rücksicht auf die Städte Königsee und Bad Blankenburg – der Donnerstag als Markttag festgelegt.

Jeder anwesende Getreidehändler erhält von der Gemeinde freies Mittagessen, jede Viktualienhändlerin (sogenannte Höker, Viktualien = Lebensmittel) Bier und Brot. Beim ersten Markt werden etwa 13 Erfurter Malter Getreide verkauft. Der Markt hat allerdings keinen Bestand. Der Chronist Kiesewetter schreibt dazu: „Durch Misshelligkeiten mit den Getreidehändlern und angeblichen Mangel an Mühlen ging der Markt wieder ein.“

Am 24. Oktober abends 8 Uhr kommt es in Blechhammer zu einer Messerstecherei zwischen dem Mühlburschen Bräutigam, gebürtig aus Allendorf und dem Handelsmann Johann Michael Himmelreich aus Oberweißbach. Letzterer sticht seinen Rivalen mit einem Messer in die linke Seite der Brust, wodurch der binnen weniger Sekunden stirbt. Offen bleibt, ob Himmelreich möglicherweise in Notwehr gehandelt hat. Jedenfalls wird er bereits am 14. Mai 1842 durch „Hochfürstliche Regierungs-Erkenntnis“ aus dem Gefängnis in Königsee entlassen.

1842 – Im Sommer herrscht wegen einer langanhaltenden trockenen Witterung großer Wassermangel. Ab Juni holen die Cursdorfer und Lichtenhainer Einwohner ihr Wasser am hiesigen Brauhausbrunnen.

Die Mühlen an der Schwarza stehen zum größten Teil still. In einigen Städten, so in Saalfeld und Eisfeld, werden die Brunnen unter polizeiliche Aufsicht gestellt und das Wasser zugeteilt.

Im September wird in Deesbach „ganz im Stillen“ der Schullehrer Wilhelm Trautmann wegen Vergehens „contra sextum“ (gegen das 6. Gebot) aus dem Verkehr gezogen.

1843 – Ein Kriminalstück ganz besonderer Art ereignet sich im Februar:

Am Donnerstag, den 23. Februar zeigt der Forst-Rendant Robert Obstfelder aus Cursdorf den Diebstahl von 22.000 Gulden an, die ihm samt eiserner, mit 3 Schlössern versehener Forstgeldkasse in der Nacht gestohlen worden seien.

Am 24. Februar wird der Vorfall durch eine aus Rudolstadt angereiste Fürstliche Kommission untersucht, die am 27. wieder abreist, den Rendanten aber bis 1. März unter „Stubenarrest“ stellt und vom Gendarm bewachen lässt.

Just zu dieser Zeit besucht der „Cammer-Commissions-Secretär“ Pressler aus Rudolstadt seinen Schwager, den Förster Macheleid in Scheibe. Dieser nun behauptet gegenüber Pressler, das Geld sei gar nicht gestohlen, sondern schon einige Tage zuvor vom Bruder des Rendanten Obstfelder zunächst nach Scheibe und dann vom Fabrikbesitzer Friedemann Greiner zu einem Wechsler nach Coburg gebracht worden.

Pressler zeigt die Sache in Rudolstadt an und am 18. April erscheint die Kommission erneut in Cursdorf. Am 26. wird der Rendant Obstfelder in die Fronfeste (Gefängnis) nach Oberweißbach gebracht. Tags darauf bekommt er Gesellschaft, denn nun werden auch der Förster Machleid, der Fabrikbesitzer Greiner und der Bruder des Rendanten, Leopold Obstfelder, verhaftet und eingesperrt.

Einige Tage (!) später erscheint die gemeinsame Haft der illustren Gesellschaft der Wahrheitsfindung plötzlich unzuträglich; die Delinquenten kommen unter militärische Bewachung in Einzelhaft – Machleid im Gemeindegasthof, Greiner beim Gastwirt Koch im „Goldenen Anker“ und Leopold Obstfelder bei Gottfried Wilhelm. Der Rendant, der seinen Betrug inzwischen gestanden hat, bleibt zwar in der Fronfeste, darf sich aber in der Wohnstube des Amtsdieners Bräutigam aufhalten, wobei er die deshalb erforderliche Wache selbst bezahlen muss.

Mehrere Wochen später, am 3. Juni, dem Tag vor Pfingsten, werden Machleid, Greiner und Leopold Obstfelder nach geleisteter Bürgschaft (Kaution) vorläufig auf freien Fuß gesetzt.

Am 5. Juli schließlich fallen die Urteile: Der Hauptschuldige Obstfelder erhält 6 Jahre Zuchthaus, dessen Bruder 1 ½ Jahre und Friedemann Greiner 9 Monate. Machleid wird zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt und verliert seine Anstellung als Förster. Der „Faktor Kister“ aus Scheibe bekommt ebenfalls 4 Wochen Gefängnis – alle zusammen müssen die Kosten des Verfahrens tragen, das allerdings kein gerichtliches (wie heute) ist, sondern letztlich nach etwa 1.500 Vernehmungen (!) durch „Regierungs-Erkenntnis“ beendet wird.

Und was geschieht sonst noch anno 1843?

Mitte bis Ende März ist nach Sonnenuntergang am westlichen Himmel der Schweif eines Kometen zu sehen (C/1843 D1 (Großer Märzkomet). Der eigentliche Kern ist unsichtbar, der nebelartige weiße, ziemlich lange Schweif ist „von der linken Seite abwärts gegen die untergehende Sonne gekehrt.“

Der große Märzkomet ist möglicherweise ein Teil des zerborstenen Kometen X/1106 C1, der im Jahre 1106 mit bloßen Auge gesehen werden konnte. Wenn das stimmt, taucht der große Märzkomet möglicherweise im Jahre 2540 wieder in Erdnähe auf. Schaun wir mal!

Am 10. Juli verursacht ein Unwetter enorme Schäden an den Äckern am Kirchberg und am Tännig.

Im September wird der bisher jeweils donnerstags abgehaltene Wochenmarkt auf Montag verlegt.

1844 – Am 1. Februar wird der Forstrendant Obstfelder wegen Krankheit aus der Haft entlassen, bleibt aber in Cursdorf weiterhin unter militärischer Bewachung.

Am 15. Februar früh gegen 1 Uhr brennt die Mehlmühle zu Schwarzmühle bis auf den Grund nieder. Die Ursache kann nicht ermittelt werden.

Im November 1844 beschließt die Hochfürstliche Regierung in Rudolstadt, die Justizämter in Oberweißbach und Königsee zu entlasten und deshalb Verwaltung und Justiz zu trennen. Während die beiden bestehenden Ämter fortan nur noch juristische Aufgaben wahrnehmen, also erstinstanzliche Gerichte sind, wird in Oberweißbach gegen den Willen der Königseer Bürgerschaft ein gemeinsames Verwaltungsamt (Landratsamt) für die Bezirke Oberweißbach und Königsee errichtet – und zwar im ehemals dem Forstsekretär Pressler, nunmehr dem Gastwirt Tresselt gehörigem Hause. Erster Landrat wird am 27. Dezember Albert von Ketelhodt aus Rudolstadt. Königsee wird „Nebenexpedition“ und in Abwesenheit des Landrates vom Stadtschreiber Stieler verwaltet. Damit ist das Amt Oberweißbach das erste und einzige Amt im Fürstentum, das eine derartige Organisationsstruktur aufweist. Die (seit 1850 generell im Fürstentum bestehende) Ämtertrennung und damit das Landratsamt Oberweißbach wird im Zuge der reaktionären Ära nach der 1848-er Revolution 1858 aus Kostengründen wieder aufgehoben, 1868 aber wiederhergestellt.

1844 wird in Oberweißbach eine Brunnenkasse eingerichtet.

1845 – Am 2. Januar wird das Landratsamt in dem in den Monaten zuvor dafür besonders eingerichteten Schönauschen Gartenhaus untergebracht und eröffnet Dieses besonders repräsentative Gebäude befindet sich hinter der Apotheke und ist u. a. auf einer Zeichnung in August Elsässers „Kirchspiel Oberweißbach“ zu sehen.

Nach einigem Hin und Her wird der Gemeindegasthof – damals direkt auf dem heutigen Marktplatz befindlich – am 16. Mai an die Fleischer-Witwe Preunel und deren Verlobten Ferdinand Ludwig aus Meuselbach verpachtet.

Am 4. Juli herrschen in der Sonne „33 Grad Wärme“, die Hitze ist fast unerträglich (33 °R ~ 40 °C).

Am 6. und 9. Juli sowie am 2. August erwähnen die Chronisten außerordentlich heftige Gewitter, die sich jeweils von Frankreich bis nach Russland erstreckt haben sollen.

Am 11. November stirbt der erst 24-jährige Erbprinz Günther (5. Mai 1821 – 11. November 1845) an einem Blutsturz. Zwei weitere Prinzen – Friedrich Günther (31. Januar 1818 – 16. März 1821) und Gustav Adolf (7. Januar 1828 – 30. November 1837) waren schon als Kinder gestorben, so dass durch diesen Todesfall das Fürstenhaus den letzten (legitimen) Nachkommen verliert.

1846 – Am 25. und 26. Januar tritt die Schwarza in Folge extremer Niederschläge über die Ufer. In Katzhütte stützt ein Haus ein, bis Blechhammer werden mehrere Brücken weggerissen und Mühlwehre zerstört.

Am 22. Mai beginnt eine größere Reparatur an der Kirche. Dabei wird durch Hofbaumeister Beyersdorf ein großer Teil des Mauerwerkes an der südwestlichen Ecke neu gegründet und erneuert. Es zeigt sich, dass der Grund beim Bau der Kirche in diesem Bereich sehr schlecht gesichert und befestigt worden war, so dass sich das Mauerwerk gesenkt hatte und große Risse entstanden waren. Bei dieser Reparatur wird Anfang Juli auch der Grundstein der Kirche entdeckt, jedoch hatte eingedrungene Nässe die dort in einem hölzernen Kästchen befindlich gewesenen Nachrichten völlig zerstört.

Am gleichen Tag (22. Mai) werden auch Fahne und Knopf des Kirchturmes zu Reparaturzwecken abgenommen und am 12. Juni wieder aufgesetzt.

Eine Tragödie ereignet sich am 8. Juli in Cursdorf, bei der 3 Menschen, darunter 2 Kinder ums Leben kommen. Morgens gegen 9 Uhr bricht bei Peter Götze Feuer aus, wodurch der Handarbeiter Jacob Franke, sein Sohn von 4 ½ Jahren sowie seine Tochter (¾ Jahre) ersticken; das Mädchen verbrennt „schauderhaft“.

Der Vater ist Eisenbahnarbeiter (1846!) und daher an diesem Tag nicht zu Hause. Die Mutter ist zur Feldarbeit außer Haus; zuvor hat sie die Schlafkammer der Kinder mit einem Vorhängeschloss abgesperrt, so dass für die Kinder jede Hilfe zu spät kam. Als Brandursache wird ein Topf heißer Asche unter dem Bett ermittelt.

Weshalb der – offenbar erwachsene – Jacob Franke umkommt, bleibt unklar.

Am 16. Juli wird der Grundstein der Kirche wieder eingemauert, „und zwar in der Nähe des Mauersimses über der Ecke“. In einem Glas werden neben „das Kirchspiel Oberweißbach betreffende(n) Nachrichten und was sonst noch bemerkenswert war“ auch einige Münzen in den Grundstein eingelegt und vermauert.

Am Dienstag, den 25. August, mittags bricht bei Johann Michael Henkels Witwe in Lichtenhain „in deren oberen Stube durch Flachstrocknen Feuer aus“, kann aber schnell gelöscht werden. Betten, Möbel und Kleider verbrennen.

1847 – Am 14. Januar ergeht der Gemeindebeschluss, dass von Neujahr 1847 bis 1853 Knaben und Mädchen, die in dieser Zeit geboren werden, Schulgeld in Höhe von einheitlich jährlich 8 Groschen oder 24 Kreuzern zu geben haben. Zugleich wird festgelegt, dass dieser Beschluss vom 1. Januar 1853 an gelten soll. Gemeint ist vermutlich, dass der Beschluss ab dem Einschulungsjahrgang 1853 gilt, mithin alle ab 1847 geborenen Kinder beiderlei Geschlechts betrifft.

Am 7. April abends gegen 19:30 Uhr wird in Oberweißbach bei „bei ganz stillem Wetter und etwas bewölktem Himmel“ eine starke Erderschütterung verspürt, die sich von Südwesten nach Nordosten ausbreitet und etwa 20 Sekunden andauert. Das Ereignis gleicht zunächst schwerem Donner, dann dem Rasseln schwer beladener Wagen auf fester Straße und schließlich wieder abnehmendem, sich entfernenden Donner. Fenster und Küchengeräte klirren, die Menschen flüchten ins Freie. Später eingehende Zeitungsnachrichten besagen, dass das Beben in Thüringen am stärksten war, aber auch in Bamberg, Nürnberg, Coburg, Saalfeld, Erfurt, Gotha und Hildburghausen verspürt wurde. Die Erschütterung ist deutlich stärker und dauert länger als jene am 29. November 1831.

GPS-Koordinaten des Epizentrums lt. Angabe des Geoforschungszentrums (GFZ) Potsdam: 50,46 °N +/- 8 km, 11,14 °E +/- 8 km, Tiefe des Epizentrums = 17 km +/- 3 km, maximale Stärke 6 im Bereich Königsee und Coburg.

Aus Furcht vor Strafe hackt sich am 21. April der 19-jährige Eduard Himmelreich mit einer Axt selbst die linke Hand ab. Acht Tage zuvor hatte er, gemeinsam mit dem Sohn des Schornsteinfegers Röhner beim Seifensiedermeister Wölker Kartoffeln und Fleisch gestohlen. Himmelreich, ebenso wie Röhner Nachbar des Bestohlenen, kommt zunächst in die Oberweißbacher Fronfeste, von dort ins Hospital nach Rudolstadt und muss anschließend ein halbes Jahr Zuchthausstrafe absitzen.

Am 24. Mai (Pfingsten) herrscht große Hitze. Tags darauf ändert sich das Wetter abrupt, indem sich plötzlich Nordwest-Wind mit sehr starkem Höhenrauch (sog. Moordampf) einstellt, der mehre Tage anhält. Am 5. Juni stellte sich abermals sehr starker Höhenrauch ein.

Da ein vulkanischer Ursprung für diesen Zeitraum bisher nicht ermittelt werden konnte, ist anzunehmen, dass es sich tatsächlich um eine Trübung der Atmosphäre als Folge großflächiger Moorbrände (Moorkultivierung) in Nordwestdeutschland handelt.

Vom 15. Bis 17. August herrscht extreme Hitze – „33 Grad Wärme“ in der Sonne (33 °R = 41,25 °C).

Vom 25. August früh 4 Uhr bis zum 26. August abends regnet es ununterbrochen so stark, dass Schwarza und Lichte enorm ansteigen.

Die noch im Bau befindliche Blechhammer-Brücke (zwischen Unterweißbach-Blechhammer und Sitzendorf), deren Bogen zu dieser Zeit noch nicht geschlossen ist, droht zerstört zu werden, weil sich große Mengen Treibholz im Baugerüst verfangen.

Aus Oberweißbach werden 12 Mann mit Feuerhaken nach dort geschickt, um das Treibholz aus dem Wasser zu ziehen. 30 Mann stehen Tag und Nacht Wache, so dass die Brücke mit knapper Not gerettet werden kann.

Am 24. Oktober abends 10 Uhr kann man über Oberweißbach ein Nordlicht beobachten, das bis Mitternacht anhält.

1847 gibt es wieder eine Veränderung in Justiz und Verwaltung: In das bisherige Landratsamt im „Dr. Worm & Schönauschen Gartenhaus“ zieht nun das Justizamt ein, wofür die Fürstliche Regierung jährlich 140 Gulden Miete zahlt. Dort wohnt von nun an auch der jeweilige Justizamtmann (Einzelrichter erster Instanz). Bisher befand sich das Justizamt im Amtshaus am Markt.

Das Landratsamt zieht demgemäß ins Amtshaus ein und wird dort am 25. November eröffnet.

Zur Revolution 1848 – siehe gesonderter Post

1848 – Am 24. August wird im Gemeindegasthof in Folge eines Streites der Landfuhrmann Wilhelm Fischer aus Meura vom Handelsmann Wilhelm Götze aus Cursdorf mit einem Genickfänger (Jagdmesser) erstochen. Fischer erhält zunächst einen Stich in den Schenkel, danach einen zweiten durch die Leber, an der Lunge vorbei ins Herz, woran er 20 Minuten später durch innerliches Verbluten stirbt. Der Mörder flieht zunächst, wird aber kurz darauf in Kochs Gasthof „Zum goldenen Anker“ festgenommen und muss tags darauf der Obduktion des Toten beiwohnen. Er wird zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt, wo er jedoch am 14. September 1849 stirbt.

1849 – Am 23. März, abends halb 5 Uhr wird im Thüringer Wald ein starker Erdstoß verspürt, der sich von West nach Ost ausbreitet.

Am Freitag, dem 14. Dezember abends nach 6 Uhr bricht bei Jacob Schneider (Rabitschka) im ersten Hause zu Mittelweißbach durch Unvorsichtigkeit Feuer aus, welches binnen zwei Stunden acht Wohnhäuser, das Brauhaus und vier Scheunen in Asche legt. Starker Südwind, später Südwestwind treibt die Flammen rasend schnell von Haus zu Haus. Eine alte Frau (Rosenberger), die versucht, im Keller Schutz vor den Flammen zu finden, erstickt. Eine Kuh verbrennt, 21 Familien mit 89 Personen werden obdachlos.

Im Einsatz sind neben den 3 Oberweißbacher Spritzen noch 18 auswärtige mit ihren Mannschaften.

Der Feuerschein wird vom schneebedeckten Kirchberg reflektiert, so dass er sogar in Eisenach, Nordhausen, Naumburg, Altenburg und anderen Orten zu sehen ist – Glück im Unglück, denn auf Grund dieser Tatsache erhalten die Abgebrannten „ansehnliche Unterstützungen“ aus nah und fern.

Interessant wäre, zu wissen, wo genau damals die Grenze zwischen Ober- und Mittelweißbach verlief. Und wo stand das Mittelweißbacher Brauhaus? Der Chronist berichtet, dass bei diesem Brand „das erste Haus in Oberweißbach, als auch das neunte in Mittelweißbach, welche beide schon von dem Feuer ergriffen waren, gerettet wurden.“ Ich vermute die Grenze etwa bei Haus Nr. 5 der heutigen Rudolstädter Straße.

13 Jahre später schreibt Berthold Sigismund in seiner „Landeskunde des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt“ über Mittelweißbach:

„Das Dorf umfasst 25 Häuser und 174 Einwohner, pfarrt und schult nach Oberweißbach, bildet aber eine besondere Gemeinde mit eigenem Schultheiß … Die Flur zerfällt in 7 geschlossene Güter … Viehbestand 14 Rinder, 38 Ziegen, 17 Schweine …“

1850 – Am 21. Mai nachmittags werden in Meuselbach bei einem Gewitter 16 Kühe durch Blitzschlag getötet.

Am 11. Juli wird in Oberweißbach entsprechend einer neuen Gemeindeordnung außer dem Schultheiß erstmals ein Gemeinderat (anstelle der bisherigen Gemeinde-Ältesten) gewählt. Der Gemeinderat besteht aus 10 Personen, von denen die Hälfte nach 3 Jahren ausscheidet, jedoch wieder wählbar ist.

Erster Gemeinderat:

  • 1. Bäcker Christian Gottfried Kiesewetter
  • 2. Laborant Curt A. Wilhelm
  • 3. Färber Traugott Worm
  • 4. Laborant Gotthilf Wiegand
  • 5. Carl Wölker
  • 6. Georg Liebmann
  • 7. Johann Jacob Volk
  • 8. Gottfried Bock
  • 9. Georg Nicol Jahn
  • 10. Nicolaus Franke 

Im August müssen die 1848 im Zuge der Volksbewaffnung erhaltenen 50 Gewehre sowie die über 200 Jahre alten Bajonette wieder ins Schwarzburger Zeughaus zurückgebracht werden.

Am 30. September, abends 11 Uhr brennen im unteren Ort von Oberweißbach auf der östlichen Seite 6 Wohnhäuser und 3 Scheunen ganz oder teilweise nieder. Die Besitzer sind der Reihe nach abwärts: 1.) Georg Otto, 2.) Ferdinand Eichhorn, 3.) Jacob Henkel, 4.) Nicolaus Frankes Witwe, 5.) Johan Nicol Franke, „ein 76-jähriger Hagestolz, bei dem das Feuer entstanden“, 6.) Ferdinand Himmelreich.

Außerdem wird, um dem Feuer die Nahrung zu entziehen, das Dach von Heinrich Siegmunds Haus abgerissen.

Außer den 3 Oberweißbacher Spritzen kommen noch folgende auswärtige zu Hilfe:  1. Lichtenhain, 2. Cursdorf, 3. Deesbach, 4. Unterweißbach, 5. Meuselbach, 6. Mellen-bach, 7. Sitzendorf, 8. Meura, 9. Schwarzburg, 10. Allendorf, 11. Döschnitz, 12. Neu-haus, 13. Katzhütte, 14. Oberhain, 15. Schwarza, 16. Rudolstadt, 17. „ein Wasserzubringer“.

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